Ich lade Sie ein, den Evangeliumstext dieses Sonntags in Etappen zu lesen und dazwischen Fragen zu stellen, Antworten zu suchen. Lesen wir die Stelle bis zu Vers 53: „… sie nahmen ihn nicht auf!“
Lassen wir in uns Reaktionen, Fragen, hochkommen: Was hätten wir da gemacht? Dazu ist es gut zu wissen, dass es damals eine Herausforderung war, durch das Bergland der Samariter zu gehen, denn besonders Jerusalempilgern standen die Samariter sehr feindselig gegenüber. Daher vermied man im Allgemeinen ihr Gebiet.
Ich habe auch mit Volksschülern vorerst bis Vers 53 gelesen und bin dabei mit folgenden Fragen und Aussagen konfrontiert worden: Warum schickt Jesus Boten voraus und geht nicht selber? Warum geht er überhaupt durch dieses Gebiet, wenn er weiß, dass es gefährlich ist? Bei Jesus selbst hätten sie vielleicht Ja gesagt. Wollte Jesus damit seinen Freunden etwas zeigen? Wie aber gehen seine Jünger mit dieser Herausforderung auf dem Weg damit?
Hier zuerst einige Schülervermutungen, und vielleicht ähneln diese Vermutungen sogar unseren eigenen: Sie haben Jesus selber hingeschickt, um zu fragen; sie haben gekämpft; sie haben gedroht; sie haben die andern beschimpft: sie sind geflüchtet und zurückgegangen.
Wie geht Jesus mit der Herausforderung auf seinem Weg nach Jerusalem um? Er meidet das Gebiet nicht und schickt Boten voraus. Er geht dem Konflikt nicht von vornherein aus dem Weg. Den Rachegelüsten seiner Jünger stellt er sich entgegen – er wendet sich ihnen zu und weist sie zurecht. Nicht gewaltvollen Kampf, sondern gewaltfreien Widerstand leistet Jesus: er geht in ein anderes Dorf. Jesus akzeptiert den Widerstand der Samariter. Wir wissen, dass Jesus – gegen die Wunschvorstellung der Juden – sich den Samaritern zugewandt hat. Bekannteste Stelle dazu ist wohl die Erzählung von der Samariterin am Jakobsbrunnen. Warum also bekommt Jesus trotzdem kein Quartier? Weil er auf dem Weg nach Jerusalem war. Dies unterstreicht nochmals die Spannung zwischen Samaritern und Juden.
Wenn nach diesem Erlebnis drei Episoden erzählt werden von Menschen, die Jesus nachfolgten – dann zeigt es deutlich auf: Hier sind wir einem Jesus begegnet, dem wir folgen können – hinter dem wir Kirche bilden können. Einem Jesus, der entschieden auftritt. Einem Jesus, der den Blick nach vorne richtet. Einem Jesus, der für die Verkündigung klar auftritt. Einem Jesus, der die nicht verurteilt, die ihn nicht aufnehmen. Könnte uns dieser Jesus zur Nachfolge anregen?
Herma Sutterlüty, Religionslehrerin und regionale Pfarrbegleiterin, ist Mutter zweier Kinder und lebt in Egg im Bregenzerwald.