Eine Studie der Krankenhausseelsorge der Diözese Linz erhob, was Spitalspatient/innen durch den Kopf geht und was sie sich von den Seelsorger/innen erwarten.„Ich habe keine Mittel in der Hand, wenn ich zu einem Patienten gehe“, erzählt Gerhard Lehrner. Er ist seit September 2000 Krankenhausseelsorger im Linzer Diakonissen-Krankenhaus: „Nach außen hin komme ich mit leeren Händen. Ich kann nur auf etwas verweisen: auf Gott, der in jedem Menschen wohnt und der unter uns ist.“ Was im Krankenhausbetrieb mit stets neuen Behandlungsmethoden unbedeutend erscheint, ist für Kranke viel. Dass jemand für sie Zeit hat und ihnen beisteht, ist neben der medizinischen Versorgung das Hauptanliegen von Menschen, die – vor allem mit einer schweren Krankheit – zu kämpfen haben. Eine Patienten-Umfrage, die die Krankenhausseelsorge der Diözese Linz an vier Krankenhäusern durchgeführt hat, bestätigt die Erfahrung der Seelsorger/innen: Ein Spitalsaufenthalt ist eine Hochschaubahn der Gefühle. Geben 74 Prozent der Patient/innen an, dass sie zuversichtlich sind, bald wieder gesund zu sein, bestätigen im gleichen Atemzug 77 Prozent, dass sie die Erkrankung ängstigt. Frauen fühlen sich im Spital einsamer als Männer.
Ein Bündel an Fragen
In den oft endlos langen Krankenhaustagen und -nächten gehen den Menschen nicht nur Fragen um die Genesung durch den Kopf. Ihre Gedanken kreisen auch um die Arbeitswelt (15 Prozent), um die Familie (32 Prozent), um die Zukunft (27 Prozent) und um Erinnerungen (26 %). In einem zweiten Schritt erhob die Umfrage, worüber Kranke mit den Seelsorger/innen gerne reden möchten. Als Themen wurden dabei die Erkrankung (28 Prozent), das bisherige Leben (25 Prozent), das Leben zuhause (20 Prozent) und der eigene Glaube (27 Prozent) angeführt. Für Dr. Anna L. Seyfried, Leiterin der oberösterreichischen Krankenhausseelsorge, verstärkt dieses Ergebnis ihre Eindrücke aus der eigenen Praxis im AKH Linz. Die Patient/innen konfrontieren sich selbst mit religiösen Fragestellungen.
Gott am Krankenbett
Selbst im „liberalen“ Holland suchen, so Seyfried, Patient/innen nicht Lebensberatung, sondern kompetente Gesprächspartner/innen über die Fragen nach dem Sinn des Lebens und nach Gott. „In der Krankheit ringen auch Menschen, die von der Kirche längst Abschied genommen haben, um das Gebet“, erzählt Lehrner. In diesen Situationen versteht er sich als Helfer bei der Suche nach Worten. Die Psalmen sind dabei für ihn ein wertvoller Schatz an Texten, auf die er die Patienten hinweist. In jedem Nachtkasterl des Diakonissen-Krankenhauses liegt eine Bibel. Ein Blatt, das die Psalmen nach Themen wie Angst, Dank, Tod oder Geborgenheit aufschlüsselt, ist ebenfalls beigelegt. „Häufig wundern sich die Menschen, dass vom Loben über das Klagen bis zu Wut und Zorn alle Gefühle Gott gegenüber zur Sprache kommen dürfen“, so Lehrner.
Das Geschenk des Feierns
Um die Kommunion oder das Sakrament der Krankensalbung empfangen zu können, wünschen 12 Prozent der Befragten einen Kontakt mit den Seelsorger/innen. Lehrner ist sehr froh, dass es feste Formen für Feiern gibt. Und er legt auf den würdigen Rahmen bei der Kommunionspendung großen Wert: „Es ist befreiend, dass wir trotz aller Ausgesetztheit und Hilflosigkeit, die die Krankheit mit sich bringt, das Leben auch feiern können.“Welche Erwartungen das Personal von Spitälern an die Krankenhausseelsorge hat, wurde im Rahmen eines Seminars an der Katholisch-Theologischen Privatuniversität Linz erhoben. An erster Stelle steht die „begleitende Gesprächsseelsorge“. Hier deckt sich die geleistete Arbeit der Seelsorger/innen mit den Erwartungen. Vor allem um Menschen, die mit dem möglichen Lebensende konfrontiert sind, soll sich die Seelsorge annnehmen, so der Wunsch des Personals. Ein Mitarbeiter-Statement: „Die Erwartung ist, dass sie sich unabhängig vom Stressgefüge des Krankenhauses dem Patienten widmen können.“ Wie die Patienten reihen auch die Mitarbeiter die sakramentenorientierte Seelsorge nach der Gesprächsseelsorge. Ebenso stimmen Patienten wie Klinikpersonal in dem Wunsch überein, dass es eine enge Zusammenarbeit zwichen Seelsorgern und den medizinischen Angestellten geben soll.Seyfried bringt die Befragung auf den Nenner: „Auch wenn es zeitaufwendig ist und manch andere Aufgaben hinten angestellt werden müssen: Die Krankenhausseelsorge darf den einzelnen Menschen nicht aus dem Blick verlieren“.