Was Menschen wichtig ist, haben sie früher in Stein gemeißelt oder auf Leinentücher gestickt: „Spare, lerne, leiste was/So hast du, kannst du, giltst du was“.
Eine Spruchspur, die nicht zu übersehen ist, zieht sich entlang der Bundesstrasse von Haslach nach Helfenberg. Lebensweisheiten, Sinnsprüche, Ratschläge – all das, lässt sich von den aufgehängten Spruchtüchern ablesen. Im Rahmen des „Festivals der Regionen“ präsentierte „Netzwerk Memoria“ das Projekt „Tritt ein, bring Glück herein“. Die Schriftsteller Rudolf Habringer und Walter Kohl, die hinter „Network Memoria“ stehen, machten sich auf die Suche nach Wandsprüchen aus der Zeit der Eltern und Großeltern.
Werte und Einstellungen, die längst nicht mehr in unsere Zeit zu passen scheinen, kamen – mit Röslein und Efeu bestickt– zum Vorschein. Aber auch Sprüche, die die Gegenwart beschreiben, wurden gesammelt, z. B. „Speed kills“ oder „Geld ist Gott“. „Zwei Welten prallen scheinbar aufeinander, das vermeintlich Gestrige und das trendige Heute“, so Netzwerk Memoria. Erstaunt war man, dass die Werthaltungen von damals und heute sich in vielen Punkten treffen: Die Macht des Geldes, Ordnungswahn- und Hygienekult, die Angst vor Fremden, das an den Rand drängen von Menschen, die nicht dem gängigen Gesellschaftstyp entsprechen findet sich in Omas Spruchtüchern genau so wie auf Werbeplakaten oder bei Graffities, den mit Sprays an die Wand gemalten Sprüchen. „Gott ist tot“ – diesen Slogan von F. Nietzsche fand man in den 70er Jahren an ungezählten Hauswänden. Der Theologe Josef Mautner hat ihn in abgewandelter Form an einer Betonwand gesehen. Der Spruch war weitergeschrieben worden: „Gott ist tot al gut“. „Wie sollte ein Gott überleben – zwischen Betonwänden und Abgas, im Stau, im Stress der Rush-hour?“, fragt Mautner. Für die junge Generation ist Graffiti schon Geschichte. Fernsehspot, Sprüche-Versand per Handy oder im Internet sind ihre Quellen. Sprüche werden dort nicht mehr von Menschen gemacht, sondern von einer Maschine, die sich „sloganizer“ nennt.
Finissage der Ausstellung: Sonntag, 22. Juli, 19 Uhr Gollner, Helfenberg.