Was helfen schon Solidaritätsbezeugungen aus dem Wohlstands-Europa den Menschen in der „Dritten Welt“? – Mehr als man glaubt. Ein Artikel der KIZ zeigte auf den Philippinen große Wirkung.
Sie schnitzten Krippenfiguren, doch mit dem Geist der Bibel hatten ihre Arbeitsbedingungen wenig zu tun: An die 130 Beschäftigte schufteten für die bayerische Eibl GmbH in der freien Produk-tionszone Cavite auf den Philippinen, damit sich in europäischen Wohnzimmern Weihnachtsidylle breitmachen konnte.
Unangenehme Öffentlichkeit
Die ersatzlose Streichung einer 15-minütigen Pause brachte das Fass zum Überlaufen: Die Belegschaft von KACI, so der Name der Eibl-Firma in Cavite, trat im Jänner 2000 in Streik. Das „Zentrum zur Unterstützung der Arbeiter“ (WAC), 1995 auf Initiative der örtlichen Pfarre gegründet, suchte Hilfe bei seinen Partnern in Europa. Dazu gehörten der Arbeitskreis Weltkirche und Entwicklungsförderung der Diözese Linz (WEKEF) und der Österreichische Gewerkschaftsbund. In der Kirchenzeitung erschien Anfang Februar 2000 ein Artikel über die Praktiken von KACI. Die Eibl GmbH schäumte vor Wut: „Die da unten sollen bloß Ruhe geben.“ Als die KACI-Arbeiter ein Exemplar der KIZ in die Hände bekamen, feierten sie die Berichterstattung über ihren Fall wie ein gewonnenes Fußballmatch. WAC-Sekretär Arnel v. Salvador, der kürzlich Linz besuchte, erzählt: „Ein Arbeiter las den Streikenden den Text vor und obwohl niemand ein Wort davon verstand, brach immer ungeheurer Jubel aus, wenn der Firmenname KACI fiel.“
Die KIZ wurde gefeiert
Das Gefühl, als Streikender nicht allein zu sein, ist unbeschreiblich wichtig, so der WAC-Aktivist. Durch den Zeitungsartikel auf die Bekanntheit des Streiks in Europa aufmerksam gemacht, zitierte die staatliche philippinische Stelle für Arbeitsfragen die Gesellschafter der Eibl GmbH auf die Philippinen und forderte Gespräche mit den Arbeitern. „Wenn man bedenkt, dass Streiks in freien Produktionszonen verboten sind, war das ein Riesenerfolg“, erklärt Arnel.
Fall ist nicht verloren
Zwei Monate später brach die Belegschaft den Streik ab und ging zähneknirschend an die Arbeit zurück. Bald folgte das Aus für die Produktion, zur Zeit werden noch einige Aufträge abgeschlossen. Warum das Unternehmen schließt, weiß Arnel nicht. Um die gängigen Praktiken der ausländischen Firmen weiß er aber wohl Bescheid: Ob ein Investor in einer Produktionszone nicht mehr zahlen kann oder will – er ist niemandem Rechenschaft schuldig. Das Problem ist das ständige Öffnen und Schließen von Betrieben. „Nur oberflächlich betrachtet, ist KACI ein verlorener Fall“, stellt der WAC-Sekretär klar: „Der Streik hat den Firmen in der Produktionszone von Cavite die Augen geöffnet. Die Botschaft ist unmissverständlich: Obwohl Streiks strengstens verboten sind, ist keine Firma mehr vor Arbeitsniederlegungen sicher.“
ZUR SACHE
Die Weltmarkt-Fabriken
Das philippinische Cavite ist eine von weltweit hunderten „freien Produktionszonen“. Regierungen armer Länder sehen darin eine Möglichkeit, ausländische Unternehmen ins Land zu locken. Der Preis ist hoch: Freie Produktionszonen sind nicht nur zollfrei, sondern auch „frei“ von Arbeitsrechten. Barbarischer Akkord und keine reguläre Arbeitszeit, Hungerlöhne und keine Überstun-denbezahlung sowie häufig fehlende Krankenversicherung sind typische Merkmale der Beschäftigung in diesen „Weltmarktfabriken“. Die nationalen Regierungen legen den ausländischen Investoren dabei keine Hindernisse in den Weg. Heute sind weltweit etwa 4,5 Millionen Menschen, vor allem Frauen, in rund 70 afrikanischen, asiatischen und lateinamerikanischen Ländern in „freien Produktionszonen“ tätig. Es ist abzusehen, dass die „Weltmarktfabriken“ weiter expandieren werden. Mehr als 80 Prozent der mittelamerikanischen und karibischen „Weltmarktfabriken“ produzieren für die Bekleidungsbranche. Info: www.oneworld.at/cleanclothes/cleanclothes_hintergrund.htm