Seit vier Jahrzehnten ist der Vorarlberger auf Madagaskar unterwegs, um die Frohe Botschaft zu verkünden. Auf der Insel hat Br. Manfred jedoch „Finavanana“ gelernt – den herzlichen Umgang unter Menschen.
„Ihr Europäer habt viel Kopf, aber wenig Herz“, diesen Satz hat Br. Manfred Marent in den 40 Jahren oft gehört, in denen er auf Madagaskar lebt. In seinem Einsatzgebiet gehen die Menschen traditionellerweise sehr einfühlsam miteinander um. Sie interessieren sich füreinander und kümmern sich umeinander. Ein Lebensstil, der hier „Finavanana“ genannt wird, und von dem der Kapuziner am meisten gelernt hat.
Ein neues Phänomen
Je mehr aber in den vergangenen Jahren der Tourismus das Land heimgesucht hat, umso mehr ist aber auch auf der Insel der Egoismus spürbar geworden. Und so sieht der Missionar im Fremdenverkehr keine echte Zukunftschance für Madagaskar: „Es ist erschreckend, wie schlecht und arrogant sich viele europäische Gäste während ihres Urlaubs hier benehmen.“ Statt auf Tourismus und Betriebsansiedlungen zu setzen, wäre es viel wichtiger, so meint Marent, endlich die Organisation und Infrastruktur des vor Ostafrika gelegenen Inselstaates zu verbessern. Die Wälder werden abgeholzt, in Ämtern ist Korruption zu finden und die Verkehrswege sind miserabel. Und Wirbelstürme, die für große Verwüstung sorgen, stellen ein immer größeres Problem dar.
Der Kapuzinerpater aus Schruns hat früher drei viertel seiner Reisen zu Fuß zurückgelegt: „Mit Büchern und Medikamenten, unterstützt von Trägern, ging es wochenlang durch den Wald.“ Heute überlässt der 70-Jährige Besuche in diesen Gegenden jüngeren Mitbrüdern und ist per Geländewagen unterwegs. Die Anschaffung eines Jeeps würde die Kapuzinerprovinz auf Madagaskar freilich überfordern, weshalb man immer wieder um Unterstützung durch die österreichische MIVA (Missions-Verkehrs-Arbeitsgemeinschaft) bittet.
miva – bete!
„Wir danken dem lieben Gott, dass es die MIVA gibt“, so P. Manfred, „nur durch diese Fahrzeuge können wir die schlimmsten Straßen und den ärgsten Schlamm bewältigen.“ Die MIVA hat einen guten Ruf, aber nicht deshalb, weil das Wort „miva“ in der einheimischen Malgasch-Sprache „Bete!“ bedeutet, wie Br. Manfred schmunzelnd berichtet.Gemeinsam mit seinen Mitbrüdern kümmert sich der Priester um Pfarren, Katechistenausbildung und Spitäler. Ebenso gehen mehrere Schulen auf seine Initiative zurück. Nach so vielen Jahren auf Madagaskar bezeichnet Br. Manfred Marent die Insel als seine Heimat, obwohl er stets Ausländer bleiben wird. Als solcher fühlt er sich aber auch in Österreich. Für ihn ist bei seinen Heimaturlauben jedesmal erschreckend, was sich vor allem im kirchlichen Bereich verändert.
Vertrauen in die Kirche
Besonders der Rückgang des Gottesdienstbesuchs und das geringe Interesse junger Menschen trifft ihn besonders. Denn auf Madgaskar sind acht von zehn Mitfeiernden im Gottesdienst Jugendliche und junge Erwachsene. Die Kirche besitzt großes Vertrauen, das ihr aber nicht blind entgegengebracht wird. Br. Manfred: „Man beobachtet uns sehr genau. Aber wenn die Einheimischen merken, dass wir sie so akzeptieren, wie sie sind, dann bringen sie uns Vertrauen entgegen. Auch die Patres werden dann in die „Finavanana“, in die Atmosphäre des herzlichen Umgangs mithineingenommen. Das gilt sogar für deren MIVA-Autos, denen man bei Pannen besonders eifrig hilft.
Zur Sache:
Christophorus-Aktion
„Einen Groschen für jeden unfallfreien Kilometer“ heißt die Devise, mit der die MIVA einlädt, auch im Straßenverkehr teilen zu lernen. Aus dem Erlös werden Transportmittel für Menschen in benachteiligten Regionen der Welt finanziert. Im Jahr 2000 waren es 762 Fahrzeuge im Wert von 3,71 Mill. E (51 Mill. S). Die Aktion wird rund um das Fest des hl. Christophorus (24. Juli), dem Patron der Kraftfahrer, Reisenden und Pilger, durchgeführt.“