Viele Gemeinden möchten Einrichtungen für ihre älteren Bewohner/innen schaffen. Doch was brauchen diese wirklich? Eine Studie im Auftrag der Caritas hat das untersucht.
Betreubares Wohnen ist eine relativ neue Form der Wohnmöglichkeit für ältere Menschen. Sie können dabei in der eigenen Wohnung leben und bei Bedarf Pflege in Anspruch nehmen. Was sie darüber hinaus wünschen oder brauchen, wollte die Caritas in einer Untersuchung herausfinden. Schüler/innen der Fachschule für Sozialberufe der Caritas Linz haben unter fachlicher Leitung Bewohner/innen von drei Einrichtungen befragt: in Enns, Gallneukirchen und Haag am Hausruck. Heinz Häubl vom Bereich „Mobile Diens-te“ der Caritas hält es für wichtig, dass diese Einrichtungen regional geschaffen werden. „Ältere Menschen sollten nach Möglichkeit in der eigenen Gemeinde leben können, damit der Kontakt zu Freunden und Nachbarn weiter bestehen kann“, erklärt Heinnz Häubl.
In Gemeinschaft altern
Für Menschen, die nicht sehr gesellig sind, wird es im Alter noch schwieriger, Kontakte zu knüpfen, und sie drohen zu vereinsamen. In Einrichtungen mit Betreubarem Wohnen können laut Häubl Kontakte leichter hergestellt werden. Es sei dort möglich, auf Dauer in einer Gemeinschaft älter zu werden. Die Bewohner/innen in Haag etwa erklärten, am wichtigsten beim Betreubaren Wohnen sei die eigene Wohnung. An zweiter Stelle steht für sie Gemeinschaft. Die meisten Treffen finden in der eigenen Wohnung statt, gefolgt vom Gemeinschaftsraum und der Nachbarwohnung.
Fachkraft unumgänglich
Vor allem in Zeiten eingeschränkter Mobilität ist den Bewohner/innen der Notruf sehr wichtig. Der personale Mittelpunkt im Haus ist die Heimleitung. Für 85 Prozent der Bewohner/innen ist sie wichtig, um sich „versorgt und sicher zu fühlen“. In der Untersuchung wird daher der Schluss gezogen, dass die Anwesenheit einer Fachkraft unumgänglich ist. Für Heinz Häubl ergeben sich aus der Studie einige Wünsche für die Zukunft: Gemeinschaftsräume sollen finanziell abgesichert sein, er möchte Finanzierungsmodelle für Tagesheimstätten, Versuche für eine kleine Pflegestation für mittelfristige Intensivbetreuung wie die Sterbephase und die Erarbeitung einer gemeindeeigenen Wohnform für verwirrte Bewohner/innen. Am wichtigsten ist für Häubl jedoch, dass zu Betreubarem Wohnen eine Fachkraft für die Betreuung gehört. „Politiker sehen das nicht“, ist er überzeugt. „Sie meinen, es genügt, wenn das behindertengerechte Wohnungen sind und es eine Rufhilfe gibt.“ Betreubares Wohnen ohne Fachkraft ist für ihn „eigentlich fahrlässig“. Betreubares Wohnen müsse auch andere Ressourcen der Gemeinde nützen können, etwa Essen auf Rädern, Fahrtendienste oder Veranstaltungen. Die Gemeinschaft, die bei Betreubarem Wohnen entstehen kann, ist zum Beispiel im Sozialzentrum Neufelden spürbar: An einem sonnigen Tag holen zwei Frauen eine dritte ab, die alleine nicht mehr in den Garten gehen könnte. Heinz Häubl vom Mobilen Dienst der Caritas ist überzeugt davon, dass sich Gemeinschaft auf das Wohlbefinden der Menschen auswirkt. Es reduziert nötige Pflege und teure Medikamentation. Die Einrichtung in Neufelden wurde von einem Privatmann geschaffen. Hans Scheschy ist erfolgreicher Unternehmer und seit mehr als 20 Jahren in der Gemeindepolitik tätig. Mit seiner Idee, Betreubares Wohnen zu schaffen, hat er sich im Gemeinderat nicht durchsetzen können. Scheschy hat schließlich zwei leer stehende Häuser im Ortszentrum gekauft und 21 Betreubare Wohnungen eingerichtet. Insgesamt hat er Investitionen in der Höhe von 20 Millionen Schilling getätigt (Information: Tel. 07282/66 33). Auch die Caritas wird ein Haus für Betreubares Wohnen errichten. Am 16. August um 15 Uhr erfolgt in Rohrbach der Spatenstich für ein Haus mit 25 Einheiten.
Judith Moser
Betreubares Wohnen
Viele ältere Menschen fühlen sich selbstständig genug, für sich selber zu sorgen. Aus verschiedenen Gründen müssen sie jedoch ihre bisherige Wohnmöglichkeit aufgeben, etwa wegen der großen Entfernung zu Geschäften, zu vieler Stufen im Haus oder weil sie wenig Möglichkeit haben, jemanden zu treffen. Für ein Altenheim sind sie nach eigenem Empfinden jedoch zu rüstig. Für sie kommt die Alternative „Betreubares Wohnen“ in Frage. Sie leben in einer eigenen Wohnung, haben aber die Möglichkeit, Betreuung in Anspruch zu nehmen. Die Aufwendungen dafür sind unterschiedlich. Zu Miete, Betriebskosten und Heizkosten für die Wohnung kommen die Ausgaben für die Betreuung. Wie bei anderen Mietverhältnissen gibt es Wohnbeihilfen, die Wohnungen sind seniorengerecht gestaltet. Betreubare Wohnungen werden zu hundert Prozent vom Land Oberösterreich gefördert, deshalb ist diese Einrichtung auch für kleinere Gemeinden möglich.
Wer sich für Betreubares Wohnen interessiert, fragt am besten in der eigenen Gemeinde nach. Ansprechpartner ist aber auch das Land Oberösterreich, Tel. 0732/77 20-0.