Nur wenige Monate nach der Ermordung von Bischof Claverie schreiben die katholischen Bischöfe und die Präsidenten der protestantischen Kirchen Algeriens einen Brief an die Christen. Darin bezeichnen sie die Kirche ihres Landes als „zerbrechlich“ und „schwach“. Aber gleichzeitig sei von den Christen mehr denn je die „geschwisterliche Gegenwart“ unter den Muslimen gefordert. „Der Befund gilt bis heute“, meint P. Hans Vöcking. Der Islamexperte vom Orden der Afrika-Missionare macht gegenüber der Kirchenzeitung auf folgende Erfahrungen aufmerksam:
Verlassen. Der Bürgerkrieg, mit über 100.000 Todesopfern seit 1991, führte dazu, dass der Großteil der Katholiken das Land vorübergehend oder für immer verlassen haben. Verstärkt. Der Kontakt zwischen den Katholiken, die geblieben sind, und der muslimischen Bevölkerung wurde gefestigt. Das Ausharren,besonders der in Sozialprojekten tätigen Ordensfrauen, wird sehr geschätzt. Gleichzeitig sind sie deshalb den Islamisten ein Dorn im Auge. Das Kloster der Trappisten im Atlasgebirge, alle Mönche wurden 1996 ermordet, bleibt leer. Aus Sicherheitsgründen erhalten die fünf Brüder keine Aufenthaltserlaubnis, auf die sie seit 1999 in Algier warten. Verbessert. Jüngst hat sich die Situation insofern verbessert, dass sich die Kirche wieder aktiver an der Neuorientierung der Gesellschaft beteiligen kann. Die vom Hohen Islamischen Rat in Algier veranstaltete Konferenz über den hl. Augustinus im April 2001 gilt als Indiz dafür. Verfolgen. Die Kirchen in Europa müssten stärkeren Einfluss ausüben, und die Situation der Christen in Algerien aktiver verfolgen. Walter Achleitner