Die Spannung stieg bis zu den entscheidenden Worten des IOC-Präsidenten: „Die Stadt – Beijing.“ Unmittelbar nach Bekanntgabe der Entscheidung, wo 2008 die Olympischen Sommerspiele stattfinden werden, sind in Peking die Raketen des Feuerwerkes hochgestiegen und Hunderttausende jubelten. Im Westen wurde, vor allem wegen der Menschenrechtspolitik Chinas, Kritik an der Entscheidung laut. Mir kommen dazu folgende Gedankensplitter:
– China hat große Demütigungen hinter sich. Dieses Riesenvolk möchte sich wieder einen Ehrenplatz unter der Sonne erkämpfen. Die Spiele gelten als prächtige Chance, das Image zu verbessern, ausländisches Kapital anzulocken und der Welt die schönste Seite Chinas zu zeigen.
– Wir leben in einer unvollkommenen Welt. Jeder Mensch und jedes Volk hat Fehler. Wie wir im persönlichen Leben mit Menschen zusammenarbeiten, die vielleicht arge Dinge am Kerbholz haben, so muss auch die internationale Gemeinschaft mit Nationen zusammenstehen, die im eigenen Bereich Verfehlungen gegen die Menschenwürde erlauben. Und in China finden Menschenrechtsverletzungen statt, die zum Teil zum Himmel schreien. Wenn wir aber China wegen seiner Menschenrechtsverletzungen ausschließen, dann müssen wir – um ehrlich zu sein – die Koffer packen und uns auf den Mond zurückziehen.
– Im großen Weltdorf gibt es nur den Weg zueinander. Die sieben Jahre bis zum Sommer 2008 öffnen immense Möglichkeiten gegenseitiger Begegnung und Beobachtung, des kritischen Dialogs und der aufbauenden Planung. Wir dürfen nicht mehr zurück in die erstickende Isolierung.
P. Luis Gutheinz Der Jesuit lebt auf Taiwan und hält theologische Vorlesungen in China.