Kommentar zum Sonntag von Christina Spaller, Religionslehrerin, Linz
Ausgabe: 2001/31, Kommentar zum Sonntag, Kommentar, Spaller, Linz
31.07.2001
- Kirchenzeitung der Diözese Linz
Sie kann alles werden. Nur nicht arm. Ist es nicht Zeit, mehr aus Ihrem Geld zu machen?“ „So billig wie noch nie!“ „Ich teile nicht.“ – diese und ähnliche Werbesprüche hallen durch unseren Alltag und sind sichtbar an Werbetafeln neben unseren Wegen. Ihre Allgegenwart verleiht ihnen ein Wahrheitsmoment. Denn das, was oft wiederholt wird, erscheint bald als fraglos richtig. Die damit verbundene soziale und ethische Haltung wird zur Normalität, aus der einige wenige Unbelehrbare herausfallen. Die Sprüche beantworten Fragen, die lauten: Worauf baust du dein Leben, was verleiht Sicherheit, Ruhe und Macht? Die Antwort ist einfach: es ist das Geld und je mehr desto besser, glücklicher, sicherer, mächtiger etc. Diese Antwort ist alt und so auch ihre Kritik. So gibt Kohelet die Antwort, dass Besitz etwas Vergängliches ist und das Streben nach Besitz Sorgen und Ruhelosigkeit bedeutet. Mit einer Leichtigkeit beschreibt er in seinem Buch die falsche Hoffnung des Habens und kehrt immer wieder zurück zum Essen, Trinken und den Gaben Gottes. Der Kolosserbrief benennt die Habsucht als Götzendienst, die sowohl Arme als auch Reiche erfassen kann. Habsucht macht das Geld zu etwas Göttlichem, d. h. etwas, das zuvor ein Mittel war, wird zum Garant des Lebens. Vom Geld wird Glück, Sicherheit und Heil erwartet. Es wird zum Mammon, zu einem Gott, der Gefolgschaft verlangt.
Der Evangelist Lukas lässt Jesus u. a. im Gleichnis des reichen Kornbauern Stellung zum Thema Gott oder Mammon nehmen. Der Anlass ist eine Frage zur Verteilung von Erbbesitz. Die Antwort ist eine Belehrung über Habsucht und den Sinn des Lebens, der nicht darin besteht, aufgrund eines großen Vermögens im Überfluss zu leben. Ein Kornbauer, so das Gleichnis, hortet sein Getreide. Einerseits verstößt er damit gegen geltendes jüdisches Recht, nicht mit Grundnahrungsmittel (Getreide, Öl, Wein) zu spekulieren. Andererseits betreibt er seine gewinnbringende Nichtstuerei auf Kosten seiner ZeitgenossInnen. Er profitiert von ihrer Abhängigkeit, und sie sichern mit ihrem Grundbedürfnis nach Überleben seinen Überfluss. Biblisch gesehen, geht diese Rechnung (die Steigerung des Reichtums durch Verknappung des Angebots) nicht auf. Der Kornbauer hat auf die falsche Macht gesetzt und gegen die Weisungen des Gottes Israels gehandelt. Mammon und der Gott Israels – oder eine Ökonomie der Bereicherung und eine Ökonomie der Gerechtigkeit – stehen im Gleichnis einander gegenüber. Der Kornbauer repräsentiert jene, die meinen, Geld wäre die Quelle ihres Lebens. Doch dass das Geld das versprochene Heil nicht einlöst, aber Mühe bereitet und letztlich ein Haschen nach dem Wind ist, hat bereits Kohelet formuliert.