Allen Unkenrufen zum Trotz gibt es in Oberösterreich ein großes Potenzial an Menschen, die für ein Ehrenamt ansprechbar sind. Dies zeigt eine Studie des Linzer Market-Instituts. Ein erfreulicher Befund – auch für die Kirche.
Jeder vierte Oberösterreicher erklärt, dass er ehrenamtlich tätig ist. Die Grenzen sind dabei fließend und reichen vom Kapellmeister bis zu jenen Personen, die einmal jährlich bei einem Zeltfest den Zapfhahn des Bierfasses bedienen.Exakt 70 Prozent der Bevölkerung geben an, dass Personen, die sich um alte und kranke Menschen kümmern, für das Bundesland besonders bedeutend sind, ebenso wichtig sind die Mitarbeiter/innen von Rettungsorganisationen.
Hohe Bereitschaft
Das Reservoir, aus dem Vereine ihre Ehrenamtlichen schöpfen können, ist beachtlich: Mehr als die Hälfte der Oberösterreicher/innen beschreiben die „ehrenamtliche Mitarbeit für sie persönlich als (sehr) interessant“. Landesrat Walter Aichinger, der die Studie in Auftrag gab: „Es ist gut zu wissen, dass uns das Ehrenamt nicht ausgeht.“ Bis hierher werden alle Vereine applaudieren. Die Market-Umfrage zeigt aber auch die Rahmenbedingungen für das ehrenamtliche Engagement auf.
Ehrenamtliche bei der Stange halten
Neben dem Motiv, „dass man anderen Menschen helfen kann“, muss der Einsatz auch Spaß machen. Gerade für die Gruppe der 15- und 29-Jährigen muss das Ehrenamt Unterhaltung (39 %) bieten. Spaß ist damit mehr als doppelt so bedeutsam wie für die mittlere (16 %) und ältere (13 %) Generation. Die Verknüpfung von Ehrenamt und beruflicher Qualifikation wird ebenfalls immer enger: So brachte die Verdoppelung der Ausbildungsstunden beim Roten Kreuz Linz keinen Rückgang der Teilnehmer/innen, sondern eine deutliche Zunahme. Ein weiteres Kriterium für Ehrenamtlichkeit ist die Zeiteinteilung. Stichworte dazu sind: individuell maßgeschneiderte Projekte, auf einen bestimmten Zeitraum eingegrenzte Teilnahmemöglichkeiten, Abgrenzung gegen persönliche Vereinnahmung, nachdem das Projektziel erreicht ist. Organisationen, die diese modernen Formen des Ehrenamts fördern, brauchen sich um den Nachwuchs keine Sorgen zu machen, urteilt die Market-Studie. Das Feld, in dem Menschen sich vorstellen können, ehrenamtlich tätig zu sein, ist weit: Die Rangliste führt die „Betreuung von Kleinkindern“ (28 %) an, gefolgt von der Mitarbeit bei Veranstaltungen und Festen (27 %) und Engagement in der Jugendarbeit (25 %).
Kirche lebt vom Ehrenamt
Sechs Prozent geben an, in der Kirche ehrenamtlich tätig sein zu wollen. Dieser Befund ist wohl zu ergänzen um Tätigkeiten, die vielfach einen Bezug zur Kirche haben, in der Umfrage aber eigens ausgewiesen sind: Dazu gehören der Einsatz in der Altenpflege, bei Zeitungsprojekten und beim Sammeln von Spenden. Nach einer deutschen Studie (1999) sind 9 Prozent der Bevölkerung in Kirchen ehrenamtlich aktiv. Eine Erhebung der Diözese Linz zeigt: Im Durchschnitt kommen auf einen hauptamtlichen Seelsorger (Priester/Pastoralassistent/in) fast einhundert ehrenamtliche Mitarbeiter/innen. Die Verknüpfung von Ehrenamt und Hauptamt wird in Zukunft die zentrale Managementaufgabe für Organisationen sein, in denen Freiwillige im Einsatz sind.
HINTERGRUND
Wichtige Berufe im Land
Das Market-Institut fragte im Rahmen der Studie über das Ehrenamt (siehe Artikel): „Welche Personen sind besonders wichtig für Oberösterreich?“. Das Ergebnis: 82 Prozent der Bevölkerung bezeichneten die Ärzte als besonders wichtig, 71 Prozent die Bauern und Landwirte. Einen hohen Stellenwert haben Personen, die sich um alte und kranke Menschen kümmern (70 %), sowie Mitarbeiter/innen von Rettungsorganisationen (70 %). Gendarmen kommen auf 65 Prozent, Unternehmer mit kleineren und mittleren Betrieben auf 60 Prozent – ebenso wie die Lehrer. Es folgen die Freiwilligen Feuerwehrleute (57 %), Sozialbedienstete (56 %), Handwerker (55 %) und die Hausfrauen (46 %). Jeder dritte Oberösterreicher hält Informatiker für wichtig, 31 Prozent Politiker und Professoren, 30 Prozent Pfarrer. Weit abgeschlagen rangieren Soldaten (19 %), Journalisten (18 %) und Geschäftsführer von großen Konzernen (17 %).
Das Ergebnis ist repräsentativ für die oberösterreichische Bevölkerung ab 15 Jahren und hat eine mögliche Schwankungsbreite von +/- 5 Prozent.