Beim Treffen der sieben führenden Industrienationen und Russlands (G-8-Gipfel) in Genua sind Grausamkeiten geschehen, wie sie in Italien seit Ende des Zweiten Weltkriegs nicht mehr zu beobachten gewesen seien. Das heißt es in einem Aufruf von drei italienischen Bischöfen, in dem sie gemeinsam mit Theologieprofessoren, Pfarrern, Ordensleuten und kirchlichen Gruppen die Gewaltanwendung der Polizei beim Gipfeltreffen vom 20. bis 22. Juli scharf kritisieren. Sie verurteilen die von einem Teil der Demonstranten in Genua ausgehende Gewalt, die zu Zerstörungen in der Stadt führte. Ausführlich wird die Polizeigewalt beklagt: In Genua hätten „viele Polizisten ganz normale Leute verprügelt, Familien mit Kindern, Jugendliche und Studenten in einer Art, als ob es darum ginge, den Ausdruck einer unliebsamen Meinungsäußerung zu bestrafen“.
Die Kirchenvertreter erklären, glaubhafte Berichte lägen vor, wonach auch Behinderte, alte Menschen und Ordensleute geschlagen worden seien. Der „Versuch, alle Demonstranten zu kriminalisieren“, sei zum Scheitern verurteilt, denn die Bürger würden bald begreifen, was wirklich in Genua geschehen sei. Ebenfalls vergangene Woche hat „Famiglia Cristiana“, die größte katholische Zeitschrift Italiens (Auflage: eine Million), Augenzeugen-Berichte von Polizeiübergriffen beim G-8-Treffen in Genua veröffentlicht.