Seit 5000 Jahren nutzt der Mensch Wasserfahrzeuge zur Fortbewegung. Faszination und Gefahr begleiten ständig.
Am Beginn der Schifffahrt standen ausgehöhlte Stämme als Einbäume. Bis heute werden so in vielen Gegenden Afrikas und Lateinamerikas Flusswege zurückgelegt. Biblisch gesehen war das erste Wasserfahrzeug die Arche, mit der Noah samt Familie und Viehbestand die große Flut überlebte (Gen 9, 1–17). Frühe Hochblüten erlebte die Seefahrerei im Orient, wo Phönizier und Ägypter die Schiffsbaukunst perfektionierten. Vom Floß bis zum Hochsee-Containerfrachter führt die Schifffahrtsgeschichte. Boote für Fischerei und Personenbeförderung gehörten in Galiläa zum alltäglichen Leben. Mehrfach erzählt das Neue Testament davon, dass Jesus Bootsfahrten unternommen hat. Die Geschichte vom Seesturm (Mt 8, 23–27) ist die dramatischste dieser Erzählungen. Wie oft werden sich Seeleute und (Freizeit-)Kapitäne in Not erinnert haben an den Bericht vom überfluteten Boot und vom tobenden Sturm, dem Jesus Einhalt gebot?
„Gottes sind Wogen und Wind. Segel aber und Steuer, dass ihr den Hafen gewinnt, sind Euer“, reimte der Seeschriftsteller Gorch Fock. Es kommt auf beides an: sich Gottes Schutz anvertrauen und dennoch das Menschenmögliche tun, um den Hafen zu erreichen. Viel Mut ist nötig, um das sichere Ufer zu verlassen: „Man muss die Segel in den unendlichen Wind stellen, dann erst werden wir spüren, zu welcher Fahrt wir fähig sind.“ (Alfred Delp)Zugleich braucht es eine gute Navigation, um das Ziel im Auge zu behalten. Der Kirchenlehrer Franz von Sales (1563–1621) empfiehlt, im Alltag zu handeln wie ein „Seemann auf offenem Meer. Um seine Richtung einzuhalten, schaut er mehr auf den Himmel als auf das Wasser, auf dem er fährt.“ Wer regelmäßig den Kompass kontrolliert, kann das Ruder richtig einstellen.
Bereits im 3. Jh. n. Chr. wurde die Kirche mit einem Schiff verglichen, mit dem man im Hafen der Ewigkeit ankommen kann. Das „Schifflein Petri“ oder das „Schiff, das sich Gemeinde nennt“ sind solche Bilder. Auch die Bezeichnung eines Kirchenraums als „Schiff“ ist bemerkenswert. Falls diese Vergleiche zu weit hergeholt erscheinen, dann sei zumindest an den Beginn der Ausbreitung der Kirche durch die Schiffsreisen des Paulus erinnert. Die Apostelgeschichte berichtet darüber so faszinierend wie ein Schiffstagebuch.