„Erdäpfel waschen nach Italien fahren – dieses Gerede kann ich schon gar nicht mehr hören. – Früher, als es noch die Exportförderung gab, hat es solchen Unsinn schon da und dort gegeben. Aber das ist längst vorbei.“
So tritt der stellvertretende Vorsitzende der Fachgruppe Güterverkehr in der oberösterreichischen Wirtschaftskammer, Heike Angermayr, Argumenten entgegen, die argwöhnen, dass (viele) internationale Gütertransporte reines Hin- und Herfahren von Gütern sei. Der Transitverkehr durch Österreich ist jüngst durch die Ökopunkte-Meinungsverschiedenheiten zwischen der EU und der österreichischen Politik wieder neu ins Blickfeld gerückt. Auch die allwöchentlichen Verkehrsüberlastungen auf den Hauptrouten im Urlaubsverkehr haben ihren Anteil daran.Transport sei im Interesse der Konsumenten, sagt Angermayr. Jedes Gut des täglichen Bedarfs ist auf Transport angewiesen; auch der Radi aus dem eigenen Garten, denn für ihn kam der Same aus Holland ... Doch hält auch Angermayr es für unsinnig, wenn beispielsweise Brot in Massen von großen deutschen Brotfabriken in Wiens Supermärkte kommt.
Verkehrszählung und Schadstoffverringerung
Im Ringen um die Mengenbeschränkung des Transitverkehrs liegt Österreich gegenüber der EU nun nach Ökopunkten hinten. Die EU sagt, Österreich könne nicht beweisen, dass die Transitbelastung so zugenommen habe, dass die Notbremse gezogen werden müsse. 1992 schloss Österreich mit der EU ein – später beim EU-Beitritt bestätigtes – Abkommen mit dem Ziel, die Umweltbelastung durch den LKW-Transit bis 2003 um 60 Prozent zu senken. Das Ökopunkte-System zielt auf den Stickoxid-Ausstoß ab. Sinkt dieser, bedeutet das insgesamt weniger gasförmige Umweltbelastungen.
Anreiz zur Umweltschonung
Das Ökopunktesystem soll ein Anreiz sein, umweltschonendere LKW-Modelle einzusetzen (und zu fertigen). Und sollte die Zahl der Transit-Fahrten, gemessen an 1991, auf 108 % steigen, hat dies laut Vertrag im Folgezeitraum eine zusätzliche Herabsetzung der Ökopunkte zur Folge.An dieser Frage scheiden sich jetzt die Geister: Österreich behauptet, der Transitverkehr sei über diese 108-%-Marke gestiegen. Die EU will den österreichischen Beteuerungen keinen Glauben schenken und verlangt exakte Statistiken. Österreich wird diese nicht vorlegen können, sagt Heike Angermayr. Die elektronischen Geräte, die bei den Transitfahrten die Ökopunkte abbuchen sollten, seien leicht fehlzubedienen. (Jede zwischenstaatliche Fahrt beispielsweise ist Ökopunkte-befreit). Auch starke elektromagnetische Felder buchen unwillkürlich ab, gehe aus Studien hervor. Angermayr ist überzeugt, dass deutlich mehr Ökopunkte ohne Anlass abgebucht werden, als auf der anderen Seite auf das Abbuchen „vergessen“ wird.
Umweltsprung nach vorne
„Wir fahren schon lange mit Ein-Liter-Autos.“ So spitzt Heike Angermayr, Chef der Spedition Angermayr in Ried/I., sein Argument zu, dass die LKW-Erzeuger in den letzten Jahren enorm viel in die Verringerung der Umweltbelastung gesteckt haben. Brauchten 40-Tonner vor zehn Jahren noch 50 bis 60 Liter Diesel, liegt ihr Verbrauch heute bei 28 bis 30 Liter. Der Transit durch Österreich mit modernen LKWs ist nun mit vier Ökopunkten belastet. Vor einigen Jahren wurden noch acht Ökopunkte abgebucht. Dass dennoch die Alpenrepublik schwer unter dem Transit leidet, liegt am Nadelöhr Alpen und der Tatsache, dass in den Alpentäler Bedingungen herrschen, die Umweltlasten besonders wirksam werden lassen.
Anstösse:
Verkehr
Zitiert aus dem Informationsgespräch mit dem Frächter Heike Angermayr
Die österreichische Bahn kauft Speditionen und verlegt den Verkehr von der Schiene auf die Straße. Sie ist das größte Transportunternehmen Österreichs (2.000 LKWs).Der kombinierte Verkehr (Schiene – Straße) wird jährlich mit einer Milliarde gestützt. Für den HuckepackVerkehr reicht aber zum Beispiel auf der Strecke Brennersee – München die Kapazität nicht. Hier können nur 16 Züge (à 20 LKWs) pro Tag verkehren. Wirtschaftlichkeit heißt Schnelligkeit. Ein Gütertransport auf der Strecke Hamburg – Verona legt auf der Schiene durchschnittlich 13 Kilometer in der Stunde zurück; ein LKW auf der Straße 36 km/h. Die durchschnittliche Strecke eines LKWs beträgt bei uns 600 bis 800 Kilometer ...