In diesem Jahr sinkt die direkte staatliche Entwicklungshilfe auf einen Tiefstand. Ein Anlass für die Kirche, sich stärker für die Armen einzusetzen.
Innerhalb von drei Jahren wurde das Budget für die direkte staatliche Entwicklungshilfe von 71,2 Millionen Euro (980 Mill. öS) auf 55,2 Millionen (759,5 Mill. öS) gekürzt. „So wenig wie heuer hat eine Regierung zuletzt 1989 für die Finanzierung von Projekten in Entwicklungsländern und für die Bewusstseinsarbeit in Österreich ausgegeben. Diese Situation ist unhaltbar“, meint Heinz Hödl, der neue Geschäftsführer der Koordinierungsstelle für Entwicklung und Mission der Bischofskonferenz. Die Spirale nach unten ist für ihn verhängnisvoll: „Die Mittelkürzung führt dazu, dass private – auch kirchliche – Organisationen (NGOs), die bei ihren Entwicklungsprojekten auf eine Mitfinanzierung des Staates gebaut haben, zukunftsträchtige Programme streichen müssen“, bedauert Hödl. Es gebe aber auch einen zweiten Effekt: „Die öffentlichen Sparbudgets haben zur Folge, dass die meisten NGOs keine Kapazitäten mehr haben, um sich mit grundsätzlichen Fragen der Entwicklungszusammenarbeit zu befassen und die notwendige politische und mediale Aufmerksamkeit zu erzeugen. Wer jeden Euro umdrehen muss, schaut zunächst einmal, dass seine Projekte irgendwie weitergehen. Das ist auch richtig so“, meint Hödl. „Aber dadurch verlieren die NGOs und das Anliegen der Entwicklungszusammenarbeit immer mehr an Bedeutung.“
Ein Stufenplan nötig
Es hätte nicht des 11. September-Anschlags bedurft, um zu erkennen, dass es auf der Welt eine sündhafte Unrechtsordnung gebe, meint Heinz Hödl. Trotz aller Beschönigung bei internationalen Konferenzen über die angeblich zurückgehende Armut seien die tatsächlichen Zahlen erschreckend: Im Jahr 1960 betrug die Einkommensrelation zwischen den reichsten und den ärmsten Ländern 30 : 1; im Jahr 2000 lag sie bei 75 : 1. Auch die Menschenrechtssituation hat sich in den vergangenen vierzig Jahren kaum gebessert. „Als Christen“, so Hödl, „haben wir die Pflicht, dieses Unrecht deutlich beim Namen zu nennen. Und wir sind herausgefordert, alles zu tun, um die wirtschaftlichen und politischen Mechanismen, die dafür verantwortlich sind, zu verändern.“ Die kirchlichen Entwicklungsorganisationen in Österreich leisten gute Arbeit. Ihr Beitrag für die armen Länder ist bereits ebenso hoch wie die direkte (bilaterale) Hilfe des Staates. „Unser Engagement“, so Hödl, „muss wieder mehr politisches Gewicht bekommen. Wir wollen einen verbindlichen Stufenplan zur Anhebung der staatlichen Entwicklungshilfe erreichen: bis 2005 Anhebung auf das EU-Niveau (von 0,22% des Bruttosozialprodukts auf 0,33%); bis 2010 Erreichung des UNO-Ziels (0,7% BSP).“ Erst im November haben sich die EU-Entwicklungsminister für die 0,7% ausgesprochen.
Hans Baumgartner
ZUR SACHE
Die Studie
Was halten die Österreicher/innen von der Entwicklungszusammenarbeit (EZA)? Dazu führte das Fessl-Insitut im Sommer 2001 im Auftrag des Außenministeriums eine Befragung durch. Die wichtigsten Ergebnisse:
– 83% der Bevölkerung finden es richtig, dass Österreich Entwicklungshilfe leistet. Nur 6% sind dagegen.
– 51% halten die Entwicklungszusammenarbeit für „sehr bis ziemlich wirksam“. Immerhin 46% meinen, sie bewirke wenig oder nichts.
– 48% der Bevölkerung sind für eine Steigerung der EZA-Leistungen (s. Kasten oben). 61% wollen, dass sich dabei der Staat mehr angagiert.
– Drei Viertel der Österreicher/-innen meinen, dass jeder Einzelne etwas für die Menschen in den Entwicklungsländern tun kann; 50% glauben, dass ihr Beitrag etwas verändern kann.
– Aussagen zur Entwicklungszusammenarbeit:
– 84%: es braucht gerechte Partnerschaften zwischen armen und reichen Ländern;
– 76%: nur ohne Armut kann es langfristig Frieden und soziale Sicherheit geben;
– 60%: Das Ziel ist „eine Welt“ für alle Menschen;
– 58%: Das Wohlergehen Europas und Österreichs hängt von den Entwicklungen in den armen Ländern ab.
IM BLICKPUNKT
Epiphanie-Sammlung
Der 6. Jänner gilt als das älteste Missionsfest der katholischen Kirche: das Hochfest der Erscheinung des Herrn (Epiphanie). In seinem Schreiben über die Bekämpfung der Sklaverei in Afrika hat Papst Leo XII. am 20. November 1890 bestimmt, dass in jedem Jahr an diesem Tag zum Kampf gegen die Sklaverei ein Almosen gesammelt werde. 1923 wurde die Bestimmung erweitert: Seither wird um Geld für die Ausbildung von Priesteramtskandidaten in Afrika, Asien und Lateinamerika gebeten. Wie die Ortskirchen in den Ländern des Südens wachsen, so wächst auch die Zahl derer, die sich für das Priesteramt bewerben. Oft bleibt jungen Männern aber ihre Berufung verwehrt, weil die Diözesen nicht über genügend finanzielle Mittel zur Ausbildung verfügen.
Am 6. Jänner 2000 wurde Missio Austria (Päpstliche Missionswerke) 944.750 Euro (13 Mill. Schilling) in Österreichs Pfarren anvertraut. Und im Jahr 2000 konnte das Apostel-Petrus-Werk, das weltweit die Gelder verwaltet, Unterstützungen in der Höhe von 48,69 Mill. Euro (670 Mill. Schilling) an 81.383 Schüler und Seminaristen gewähren. Im selben Jahr wurden 1977 Priester geweiht, deren Ausbildung von diesem Werk unterstützt worden war.