Die Internationalisierung der Wirtschaft (Globalisierung) „hat bisher zu keiner spürbaren Verbesserung der Lage der Entwicklungsländer geführt“. Die Gewinner sind vor allem die transnationalen Unternehmen und eine kleine Oberschicht im Land. Die „Kluft zwischen Arm und Reich wird immer größer“ – weltweit, aber auch innerhalb vieler Länder. Diese düstere Bilanz steht am Anfang des Kapitels „Entwicklungszusammenarbeit“ im Sozialbericht der Kirchen Österreichs.
Bereits im Sozialhirtenbrief von 1990 weisen die Bischöfe Österreichs darauf hin, dass die wirtschaftlichen Strukturen auf der Welt so organisiert sind, dass „sie immer zum Vorteil der Industrieländer gereichen“. Mit Papst Johannes Paul II. nennen die Bischöfe diese Weltordnung „sündhafte Strukturen“. Zur Entwicklung seither heißt es im Sozialbericht, der die Eingaben vieler „Dritte-Welt“- Gruppen und -Organisationen widerspiegelt: Die Lage der armen Länder hat sich in den letzten zehn Jahren trotz der UNO-Dekade gegen die Armut nicht verbessert, sondern verschärft. Als Ursachen werden genannt: eine Wirtschaftsphilosophie, für die der Kursgewinn das höchste Prinzip ist – und nicht der Mensch und der Aufbau menschenwürdiger Gesellschaften. Daher wird dort produziert, wo es möglichst wenig soziale, steuerliche und ökologische Auflagen gibt. Dazu kommt ein Handelssystem, das die Rohstofflieferanten krass benachteiligt, und eine Kreditpolitik (Weltbank u. a.), welche die Entwicklungsländer zwingt, durch den Abbau von Gesundheits- und Bildungseinrichtungen ihre Schulden zu bezahlen.