Das Land Oberösterreich vergab für ein „Vater-Sohn-Wochenende“ einen Familienpreis an ao. Prof. DI Dr. Andreas Neubauer. Er ist der Leiter dieser Initiative.
Söhne brauchen Väter, das ist eine Binsenweisheit, die für Väter aber nicht einfach zu verwirklichen ist. Vater-Sohn-Wochenenden helfen, dass die Söhne ihre Väter als „Männer und Gesprächspartner“ erleben können. Was ist die Idee dahinter?
Neubauer: In letzter Zeit wird viel über die Rolle der Väter lamentiert: dass sie abwesend sind, dass der Beruf ihnen kaum Zeit für die Beziehung in der Familie lässt. Wir wollten nicht in das Klagen einstimmen, sondern dagegen etwas tun.
Wie haben Sie dieses Wochenende konkret gestaltet?
Neubauer: Wir sind auf einen Bauernhof in der Nähe von Ottnang gefahren.Dort schlug jeder der 15 Väter mit seinem Sohn ein eigenes Zweimann-Zelt auf. Allein das gemeinsame Schlafen im Zelt – in der Nacht sank die Temperatur auf sechs Grad – war schon ein Erlebnis. Die zwei Tage waren geprägt vom gemeinsamen Spielen, einem Fußball- und Völkerballturnier, einem Nachtgeländespiel und dem Lagerfeuer. Aber wir hatten auch viel Zeit für Gespräche eingeplant.
Worüber wurde da geredet?
Neubauer: Wir haben die Väter angeregt, sich mit der Lebenswelt ihres Sohnes auseinander zu setzen, zum Beispiel ob sie den besten Freund ihres Buben kennen oder ob sie wissen, was ihr Sohn gerne spielt. Wir bemühten uns, eine Atmosphäre zu schaffen, in der die Väter auf die wahren Träume ihrer Söhne hören können. Das war uns ganz wichtig. Denn die Hoffnungen und Sehnsüchte, die die Väter selbst vor zwanzig Jahren gehabt haben, unterscheiden sich wesentlich von denen der Kindern heute. Und umgekehrt haben wir die Söhne aufgefordert, sich in die Lebenswelt des Vaters hineinzudenken.
Was kam bei diesen Tagen in Bewegung?
Neubauer:Ein sehr schöner Augenblick war, wie die Söhne vor der ganzen Runde gesagt haben, was sie an ihrem Vater schätzen. Am Lagerfeuer konnte man die Spannung greifen, als die Väter erzählten, was ihnen der Glaube bedeutet. Ein Vater meinte: So ein Wochenende hätte ich auch für meine beiden älteren Söhne gebraucht.
Das intensive Nachdenken über die Vaterrolle – was hat das bei den Vätern ausgelöst?
Neubauer: An diesem Wochenende kam bei einigen Vätern Trauer hoch, weil eigene Verwundungen aus der Kindheit wieder zu schmerzen begannen. Manche konnten sich beim Wochenende aber auch ein Stück weit mit ihrem eigenen Vater aussöhnen.
Was ist vom Wochenende geblieben?
Neubauer: Wir haben mit unseren Kindern Vereinbarungen getroffen: Ich habe meinen Sohn zum Beispiel gebeten, dass er einmal wöchentlich sein Zimmer in Ordnung bringt. Er hat sich von mir gewünscht, dass wir einmal im Monat etwas unternehmen. Mehr als ein halbes Jahr nach unserem Wochenende kann ich sagen: Unser Pakt hält. Teilweise bin ich mit ihm allein unterwegs – die Zuwendung zum Einzelnen ist nämlich enorm wichtig. – Manchmal sind auch meine anderen drei Kinder dabei.
Das Vater-Sohn-Wochenende brachte noch ein Ergebnis, und zwar den Wunsch nach weiteren solchen Veranstaltungen. Die Termine für die nächsten Vater-Sohn-Wochenenden: 27./28. April 2002 (für 14- bis 17-jährige Söhne), 22./23. Juni 2002 (für 10- bis 13-jährige Söhne), Informationen: Familie Neubauer, Tel. 0732/677174.
Der Landesfamilienpreis wird in den Kategorien „Einzelpersonen und Familien“, „Betriebe und Verwaltungseinrichtungen“ sowie „Vereine, Verbände, Institutionen und Gruppen“ durch Landeshauptmann-Stellvertreter Franz Hiesl vergeben. Unter den heurigen Preisträger/innen sind Judith Arnezeder, Walding, DI Dr. Andreas Neubauer, Leonding, Fam. Elisabeth Wagner, Neumarkt/M., und der Kath. Familienverband (mit dem Oma-Dienst).