Wie auf der Bühne, so auch im Leben: Die Bettler und Vagabunden sind nicht erwünscht, aber da. „Die wird´s immer geben“, meint Bertl von der „Kupfermuckn“.
Ein Detail am Rande sei hier ins Zentrum gerückt: Das geplante Gespräch mit Schauspielerin Sabine Martin in der an das Landestheater angrenzenden Gaststätte konnte zunächst nicht stattfinden. Die Gäste fühlten sich durch das Team der „Kupfermuckn“ belästigt und der Kellner verweigerte die Bedienung. Die Mitarbeiter/innen der „Kupfermuckn“ und Sabine Martin wechselten daraufhin dem Ort. Im nächsten Lokal werden sie anstandslos bedient. Bertl und Schauspielerin Sabine Martin (Bild) nehmen nebeneinander Platz, anschließend wird über die Vorstellung diskutiert.
„Das Stück hat mir gefallen. Es ist wirklich so wie im Leben: Die Mächtigen kommen davon, die Kleinen trifft’s.“, bestätigt Bertl. Bertl – so stellt er sich selbst vor – ist 52 Jahre alt, Redakteur und Verkäufer der „Kupfermuckn“. Seit 19 Jahren trägt er nächtens die meist verkaufte österr. Tageszeitung aus. Kürzlich posierte er für das großflächige Plakat zur Dreigroschenoper.
Seinen erlernten Beruf „Bäcker und Zuckerbäcker“ hat Bertl nur kurz ausgeübt. „Nach dem Bundesheer bin ich nach Deutschland auf ein Schiff gegangen. Ich habe mir kostenlos die Welt angesehen!“, erzählt Bertl. In jungen Jahren machte er wegen „Bettelei und Vagabundieren“ in Österreich „Urlaub im Häfn“. Von 1972 bis 1999 lebte er mit seiner Lebensgefährtin und seinen vier Kindern in einer Wohnung in Linz. Nach der für ihn tragischen Trennung schlug er sich mit Hilfe der „ARGE für Obdachlose“ tapfer durchs Leben, fasste neuen Mut. Bertl lebt seit Juli 2000 im „B37“, einem Wohnheim für Obdachlose, und wünscht sich, bald wieder eine eigene Wohnung beziehen zu können.
Seit seiner Schulzeit schreibt Bertl Gedichte. „Meine Gefühle will ich rausbringen, was ich mir denke, das, was auch andere betrifft.“ Beim Schreiben selbst fasziniert ihn, dass man da selber „zum Studieren anfängt“ und sich fragt: Wie ist das mit der Liebe, dem Leben und überhaupt? Auf seinem Nachtkästchen hat er Block und Kuli liegen, da werden auch in der Nacht Notizen gemacht. „Am nächsten Tag schreibe ich das zam und bringe es in die Redaktion.“ Seit 1999 werden in der „Kupfermuckn“ seine Gedichte veröffentlicht.
Literatur:
Über die Liebe
Eigentlich geht im Prinzip alles, aber ohne Liebe geht nichts.
Du bist mein Glück,du bist mein Stern. Auch wenn du brummst,ich hab dich gern.
Heute zählt nur noch Schein.Überall Heuchelei’n. Über all nur Triebe,ich vermisse die Liebe!
Die Lieb ist süß wie würziger Rosenduft, der unsichtbar beseelt die warme Luftund trunken macht die honigdurst’gen Bienen.
Doch Lieb ist kurz auch wie der Rose Tag, der schneller endet als der süße Schlagder Nachtigall, die sie beweint im Grünen.
Buch der Vagabunden
Kibara = Polizei Habara = Freund Tschiktegel =Aschenbecher Fleck = Kellnerbrieftasche Quadratlatschn = Schuhe Hapfn = Bett Schatuin = Sarg Heizkoffer = Gabel Reiß de Luka auf = Mach das Fenster auf Binkl = Gewand flessln = regnen Mülratz = Mistkübelstierler hacknstaht = arbeitslos Er ist stier = Er hat kein Geld Proada = Armbanduhr Rotzbremsn = Schnauzbart Sargnagel = Zigarette
Bertl erstellt ein „Buch der Vagabunden“, das er gerne veröffentlichen möchte. Sponsoren gesucht! Info: „Kupfermuckn“, Marienstr.11, 4020 Linz, Tel. 0732/77 08 05.