Eheberater Mag. Franz Harant zeigt neue Wege für Veränderung
Ausgabe: 2002/07, Eheberater, Name, Vorname,
12.02.2002
Das Beispiel:
„So ein ‘richtiges’ Problem haben wir eigentlich nicht. Aber ‘sie’ wollte, dass wir da her kommen“, eröffnete Thomas das Gespräch. „‘Sie’ ist längere Zeit schon unzufrieden, wie es bei uns läuft“. Dabei sagte er immer wieder „sie“, wenn er von seiner Frau sprach. Und als ich ihn dann einmal unterbrach und fragte: „Hat ‘sie’ einen Namen?”, schaute er mich groß an und verstummte. Das war der Moment, wo Monika Gelegenheit hatte, das Wort zu ergreifen. Thomas blickt sie beim Gespräch kaum an und spricht auch nur selten ihren Namen aus. „Wenn du mich nicht beim Namen nennst, fühle ich mich nicht gemeint“, bringt sie ihre Empfindungen auf den Punkt. Das wurde für die beiden zum Schlüsselsatz. Wir vereinbarten ein Namenstraining. Die beiden nannten sich in der nächsten Zeit öfters beim Vornamen. Die dadurch eingetretene Klimaerwärmung fiel auch den Kindern und Freunden auf.
Unser Name, besonders der Vorname, hat viel mit unserer Person zu tun. Er stiftet nicht nur Identität, sondern drückt auch Beziehung aus. Wenn ich den Namen eines Menschen weiß und ausspreche, finde ich leichter einen Zugang zu ihm. Schon das Märchen vom Rumpelstilzchen betont die Wichtigkeit des Namens. Das Nennen des Namens wirkt manchmal wie ein Schlüssel, der Verschlossenes öffnet. Jemanden bei seinem Vornamen ansprechen drückt Anerkennung und Wertschätzung aus. Die Einmaligkeit einer Person kann mit dem Nennen des Vornamens betont werden. Dabei kommt es aber auch noch auf die Tonlage an, in der ich meinen (Gesprächs-)Partner anrede und seinen Namen gebrauche. In der Geschäftswelt ist man bereits dazu übergegangen, sich des Namens der Kunden und Geschäftspartner zu „bemächtigen“, um den Verkaufserfolg zu steigern. Kundenkarten haben die Wirkung, dass ich mich als eine VIP, eine wichtige Person, fühlen kann. Könnten wir nicht daraus für unsere Beziehungen lernen? Den Namen des Partners immer wieder einmal bewusst aussprechen, kann die Beziehung vertiefen. Glaubende Menschen müssten das schon längst wissen. Ist doch in der Urkunde unseres Glaubens zu lesen: „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du gehörst zu mir“ (Jes 43,1). Der sorgfältige Umgang mit dem Namen des Partners, der auch Zugehörigkeit bewirkt, ist eine Form der Beziehungspflege und Beziehungsspiritualität.
Ehe- und Familienseelsorger Mag. Franz Harant ist Dipl. Ehe-, Familien- und Lebensberater.