„Einmal Prag sehen!“ Als sich Eva, die seit Jahren ihre Mutter liebevoll pflegt, diesen Wunsch erfüllen wollte, meinte ihr Bruder: „Das geht nicht. Du hast doch die Oma!“ Da hat es bei Eva geklingelt ...
... denn sie merkte, dass niemand bereit war, auch einmal an sie zu denken. Alle fragten ständig: „Wie geht es der Mama?” Aber kaum jemand interessierte sich, wie sie sich fühlt. Sich aussprechen wäre gut ... aber mit wem? „Darüber reden tut gut“, heißt ein neues Informationsblatt der Abteilung Ehe und Familie und der Caritas der Diözese Linz. Es wendet sich speziell an pflegende Angehörige und ermutigt, offen über die Situation zu reden und sich Zuspruch zu holen.„Wenige denken daran, dass sich nicht nur Menschen mit Eheproblemen an uns wenden können, sondern Leute in allen Lebenssituationen“, sagt Karin Remsing, Leiterin der Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstellen der Diözese Linz.Gemeinsam mit Sophia Pal-koska von der Koordinationsstelle Pflegende Angehörige der Caritas – sie ist auch „Anlaufstelle“ für Selbsthilfegruppen, erarbeitete sie das „Werbe“-Infoblatt. Es bestärkt Pflegepersonen Einzelberatung in Anspruch zu nehmen.
In erster Linie sind es Frauen, von denen die Pflege von Schwieger/Eltern, Ehepartnern und Kindern selbstverständich „erwartet” wird – vereinzelt pflegen auch Männer, meist ihre Frau. Mit dem Trend zur Kleinfamilie ist das immer schwerer zu bewerkstelligen. Früher lag die durchschnittliche Pflegedauer bei drei Monaten, jetzt bei 3 1/2 Jahren, und dies bei gestiegener Frauenberufstätigkeit. Sophia Palkoska weiß, wie allein gelassen pflegende Angehörige oft sind. Alle glauben: Die/der schafft das schon.
Die Wirklichkeit schaut oft anders aus. Dazu kommt: Pfleglinge sind oft um die 90, Pflegende selbst an die 70. Auch wenn das Pflegen an sich einen großen Wert darstellt und „man sich einerseits sehr beschenkt fühlt“ – so erlebt es Eva –, ist es notwendig, die eigenen Grenzen auszuloten und auch an sich selbst zu denken.
Schon am Anfang klären
„Viele stolpern in eine Pflegesituation hinein“, ist die Erfahrung von Sophia Palkoska. Wer aber nicht eine bewusste Entscheidung trifft und z. B. auch ein Netzwerk an Hilfen aufbaut, wird früher oder später von diesem Versäumnis eingeholt. Gerade am Anfang sind Klärungen für sich und die Familie notwendig, damit es später nicht zu einer Überforderung und zu Spannungen führt. Bei längeren Pflegesituationen lassen sich durch Beratungsgespräche vielleicht Veränderungsmöglichkeiten entdecken, an die die Betroffenen noch nie gedacht haben.
Wenn Sie als pflegende/r Angehörige/r ein Beratungsgespräch möchten, wenden Sie sich an die Lebensberatungsstelle der Diözese: Tel. 070/77 36 76.
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Fallbeispiele aus dem neuen Buch der Edition Kirchenzeitung: „Es ist auch mein Leben“ von Vera Francz, das im April erscheinen wird.