Für die meisten Menschen gehört Chaos zum täglichen Leben. Lediglich: Was man als Chaos empfindet und wie man damit umgeht, ist von Mensch zu Mensch verschieden.Der kleine Geist hält Ordnung, der große wacht über das Chaos!
Wer Ordnung hält, ist nur zu faul zum Suchen!Solche und ähnliche Sprichwörter vermitteln mit Augenzwinkern positive Aspekte von Chaos und Unordnung. Im Alltag ist es nicht immer leicht, mit dem Chaos zurechtzukommen. Der Mensch bedarf der Ordnung, daher kann für ihn das Chaos zur Belastung werden, so Mag.a Edeltraud Mattes, Mitorganisatorin des Projektes „Chaos & Ordnung“ an der Pädagogischen Akademie der Diözese Linz.
Chaos mit etwas Humor hinzunehmen macht alles gleich viel weniger schlimm. Je mehr kreative Möglichkeiten ich parat habe, mit Unordnung fertig zu werden, desto weniger engt sie mich in meiner Handlungsfähigkeit ein.Doch Chaos ist nicht nur, wenn sich im Kinderzimmer die Spielsachen türmen – dass ich dabei jede Ordnung vermisse, heißt nicht, dass das Kind das auch so empfindet. Menschen, die schweren (psychischen) Belastungen ausgesetzt sind, erleben oft ein inneres Chaos. Kreativität hilft ihnen bei bei der Neuordnung. Sie zeigt Möglichkeiten auf, wie neue Rahmenbedingungen entwickelt werden können, so Mag.a Mattes. Deshalb sollte Kreativität in vielfältigster Form gefördert werden. Zum Beispiel ist einiges an Einfallsreichtum gefragt, wenn es darum geht, einen Kletterparcours zu bezwingen.
Ordnung hinter dem Chaos
Ein Beispiel eines kreativen Lösungsansatzes ist der Versuch, aus Stoffstreifen ein Kunstwerk zu schaffen, das sowohl Chaos als auch Ordnung darstellt (Foto oben): Die vielen ohne erkennbare Systematik herabhängenden Stoffstreifen machen einen chaotischen Eindruck – und doch werden sie durch eine ordnende Kraft, das Drahtnetz, zusammengehalten, die die einzelnen Streifen zu einem Ganzen zusammenfügt. Daraus ergibt sich ein neuer Ansatz: Chaos ist ein Zustand, bei dem wir das dahinter stehende Konzept nicht verstehen. Würden wir es durchschauen, sähen wir auch die zu Grunde liegende Ordnungsmacht, und das Chaos wäre keines mehr. Warum die Unordnung nicht auch einmal aus diesem Blickwinkel betrachten und hinter dem Chaos eine versteckte Ordnung vermuten?
Zur Sache:
Kreativität beschränkt sich durchaus nicht aufs Zeichnen und Basteln …
Kreativität ist zum Beispiel auch gefragt, wenn es gilt, den unten im Bild zu sehenden Kletterparcours zu bewältigen. Wie komme ich über alle Hindernisse, ohne dass ich abstürze? Wie finde ich einen Mittelweg zwischen Risiko und Vorsicht, sodass ich ans Ziel gelange? So oder ähnlich fragt sich wohl manche/r auch im täglichen Leben. Auf dem Parcours bieten Seile, am Projekt „Chaos & Ordnung“ beteiligte Studenten und dicke Matten Schutz und sorgen dafür, dass nichts passiert – auf wen und worauf kann ich mich im „wirklichen“ Leben verlassen?
Abfall einmal anders entsorgen
Die beiden links abgebildeten Künstlerinnen sind dabei, aus Dingen, die man normalerweise wegwerfen würde, Kunstwerke entstehen zu lassen. Zur Produktion eines solchen Werkes eignet sich so gut wie alles – von der leeren Zigaretten-schachtel über Sand aus der Sandkiste bis hin zu Verpackungen aller Art. Dieser „Abfall“ wird dann mit etwas Fantasie und Farbe aufgeputzt und arrangiert, und im Nu entstehen ausstellungsreife Bilder.
Projekttage zum Chaos
Pädagogische Akademie setzt auf Kreativität Seit dem Beginn des Wintersemesters 2001/02 hatten sich die Studierenden des ersten und dritten Semesters des Sozialpädagogischen Kollegs (SPK) an der Pädagogischen Akademie der Diözese Linz mit der Vorbereitung des Projektes „Chaos & Ordnung“ beschäftigt. Da Sozialpädagogen sehr oft mit Chaos konfrontiert werden und dann Ordnung schaffen sollen, einigte man sich auf dieses Thema. Ziel bei der fächerübergreifenden Arbeit war einerseits eine intensivere Beschäftigung der Student/innen mit einem Thema. Andererseits sollte auch die eigene Schöpferkraft erforscht und so die Auseinandersetzung mit der eigenen Person intensiviert werden.
Und das Endprodukt der Bemühungen konnte sich sehen lassen. Am 11. und 12. Februar öffnete die Pädagogische Akademie ihre Tore, und die verschiedensten Stationen wurden regelrecht gestürmt (140 Kinder allein am ersten Tag).Der Bogen war weit gespannt, vom Spiel in Lebensgröße, bei dem die Kinder die Spielfiguren beim „Mensch ärgere dich nicht“ waren, über die Gestaltung einer großen Hand aus vielen kleinen Einzelteilen, bis hin zu schöpferischer Meditation in der Kapelle der Akademie wurde ein breites Spektrum an Betätigungsmöglichkeiten geboten. Im Trommelworkshop konnte man seinen eigenen Rhythmus suchen, am Trampelpfad verewigte man seine Fußspuren färbig auf Papier und mit den selbst hergestellten Luftballonen konnte man dann auch noch das Jonglieren erlernen.
Die Beobachtungen zeigten, wie engagiert die Kinder sich beschäftigten, welchen Spaß sie bei den kreativen Betätigungen hatten. Mit großer Begeisterung wurde gemalt, geschminkt und gespielt – und im Schlaraffenland konnten sich die jungen kreativen Köpfe dann auch laben.Alles in allem ein gelungenes Projekt, bei dem Kinder und Erwachsene gleichermaßen profitieren konnten.