Dr. Barbara Siebenbrunner schrieb ihre Doktorarbeit zum Thema „Fasten“
Ausgabe: 2002/08, Fasten, Quelle, Dr. Barbara Siebenbrunner, Dissertation, Speisen, Steyr, Pastoralassistentin, Bußzeit, Fisch, Fleisch, Bibel, Karfreitag,
19.02.2002
- Donata Stockhammer
Die Tische biegen sich unter den Speisen, und gleichzeitig ist das Fasten wieder „in“ – Dr. Barbara Siebenbrunner setzte sich in ihrer Dissertation mit dem Fasten auseinander.
Dr. Siebenbrunner war 25 Jahre lang Pastoralassistentin in Steyr. In der Pension widmete sie sich einem großen Vorhaben: Sie verfasste eine Dissertation über die Problematik der kirchlichen Fasten- und Abstinenzgesetzgebung und beschäftigte sich mit der Bedeutung des Fastens von der Bibel bis heute. Noch um 1860 gab es in der katholischen Kirche etwa 170 verpflichtende Fasttage im Jahr, deren Nichteinhaltung teilweise als schwere Sünde galt. In den folgenden Jahrzehnten wurden die gebotenen Fasttage immer weniger, bis letztendlich in der Folge des Zweiten Vatikanums der Aschermittwoch und der Karfreitag übrig blieben: An diesen Tagen darf sich ein Katholik nur einmal am Tag sättigen. Zudem ist die Enthaltung von Fleischspeisen geboten, Fisch ist allerdings erlaubt. Nach dem Konzil erhält die Fastenzeit die Bezeichnung „Österliche Bußzeit“, es steht ab nun die Buße im Vordergrund. Das Fasten ist als Mittel dazu angesehen. Im konkreten Fastengebot spießt es sich für Dr. Siebenbrunner: Eine Wurstsemmel um einen Euro ist also Sünde, nicht aber ein ausgiebiger Heringsschmaus. Bei der Begründung, warum der Fisch erlaubt ist, spielen auch alte Meinungen mit. Demnach wecke etwader Fisch die Begierde nicht so sehr wie das Fleisch warmblütiger Tiere.
Fasten boomt
Das Fasten boomt. Für Siebenbrunner wurde es zum Herzensanliegen: „Es ist jenes Mittel, das uns im Glauben bestärken, bei der Sinnsuche positiv verstärken kann, das uns aber auch hilft, leichter aus den Sackgassen des alltäglichen Konsumzwanges herauszufinden“, so ihre Meinung. Siebenbrunner nahm selbst während ihrer Arbeit an der Dissertation an mehreren intensiven Fastenwochen teil. Sie betont drei wichtige Aspekte des Fastens: Zum einen kann intensives Fasten über längere Zeit im ganzen Menschen einen Umstimmungsprozess leiblicher und geistiger Natur bewirken. Ihrer Empfindung nach werden dabei Gebete inniger und Gedanken feiner.Zweitens kann Fasten als Ausdruckshandlung gesehen werden. Bei schweren Schicksalsschlägen vergeht dem Menschen ja buchstäblich der Appetit, und so kann das Fasten am Karfreitag auch Ausdruck der inneren Verbundenheit mit Jesus Christus sein.
Und drittens ist Fasten auch für die Gesundheit vorteilhaft. Es tut mir selbst gut, wenn ich am Freitag einmal einen Entlastungstag einlege. Die Sorge um die eigene Gesundheit sei eine christliche Tugend, so Siebenbrunner.
KIZ-Leser/innen können das Buch direkt bei der Autorin zum Vorzugspreis von E 36,– (statt E 45,50) bestellen: Dr. Barbara Siebenbrunner, Gleinker Hauptstraße 19, 4407 Steyr.