Mit Wirkung vom 11. Februar hat Papst Johannes Paul II. die bisherigen vier Apostolischen Administraturen in Russland zu regulären Diözesen umgewandelt. Aus Sicht des Vatikans und der vier betroffenen Bischöfe handelt es sich dabei um eine „Normalisierung“ der Kirchenstrukturen. Die russisch-orthodoxe Kirche sieht darin eine weitere Bestätigung für die „missionarischen Absichten“ der katholischen Kirche. Sie hat umgehend scharf protestiert und den geplanten Moskau-Besuch von Ökumene-Chef Kardinal Walter Kasper abgesagt. Annäherungen wurden gestoppt.
Seit der Wende, die auch den verschiedenen Religionsgemeinschaften ein freieres Arbeiten ermöglichte, wirft die orthodoxe Kirche Russlands den Katholiken „Proselytismus“ (das Abwerben von Gläubigen) vor. Gründe für diesen Vorwurf sind: das Wiedererstehen der von Stalin mit der Orthodoxie zwangsvereinigten griechisch-katholischen Kirche in der Ukraine; die Attraktivität der vom Kommunismus weniger korrumpierten katholischen Kirche unter der suchenden Intelligenz; die orthodoxe Auffassung vom „kanonischen Territorium“, wonach jeweils der „vorherrschenden“ Kirche ein alleiniger Gebietsanspurch zukommt. Von katholischer Seite verweist man auf unbegründete Ängste vor insgesamt 1,3 Millionen Katholiken.