Als „äußerst schlimm“ stuft P. Oskar Wermter die Lage in Simbabwe ein. Gegenüber der Kirchenzeitung analysiert der Jesuit die Situation in dem südafrikanischen Land vor der Präsidentschaftswahl Anfang März.
„Es ist äußerst bedenklich, wie sich die Situation in Simbabwe zugespitzt hat“, fasst P. Oskar Wermter die Entwicklung der letzten Wochen zusammen. Denn es geht um den Machterhalt des bisher regierenden Präsidenten Robert Mugabe. Seit Simbabwe, das einstige Rhodesien, 1980 die Unabhängigkeit erlangte, hat der heute 78-Jährige die Zügel fest im Griff. Und bei den für 9. und 10. März geplanten Wahlen bewirbt sich der ehemalige Jesuitenschüler und Befreiungskämpfer zum fünften Mal um das höchste Amt im Staat.
Hochverrat
Die bedenklichste Äußerung in einem, wie P. Wermter es nennt, „von Hassparolen erfüllten Wahlkampf“ kam allerdings weder von der regierenden ZANU-Partei noch von der Opposition. „Ranghohe Militärs haben angekündigt, sie würden nur einen Wahlsieg Mugabes akzeptieren.“ Der Jesuit antwortet darauf mit ebenso deutlichen Worten: „In einer Demokratie ist das Hochverrat!“ P. Oskar Wermter, der bis Oktober 2001 Pressesprecher der Bischofskonferenz von Simbabwe war, ist mit seiner Kritik nicht alleine. Auch die 194 in dem südafrikanischen Land tätigen Jesuiten haben vergangene Woche eine Erklärung veröffentlicht, in der sie Gewalt eindeutig verurteilen, die von der Regierung ausgeht. Nach offiziellen Angaben wurden alleine in diesem Jahr 20 politisch motivierte Morde verübt, die tatsächliche Zahl dürfte aber weit höher sein. Deshalb appellieren die Jesuiten auch an die politisch Verantwortlichen, ihre Doppelmoral aufzugeben. Wermter: „Denn in der Öffentlichkeit treten sie für Toleranz ein. Unter der Hand aber schüren sie Hass und Gewalt.“
Rasante Talfahrt
Im Zentrum der Kritik steht, dass vor allem die verzweifelte Lage der Jugendlichen im Kampf um die Macht missbraucht wird. So schreiben die Jesuiten: „Arbeitslose Jugendliche werden herangezogen, um hässliche Basisarbeit für politische Parteien zu leisten.“ Dabei hat sich in den vergangenen Monaten die wirtschaftliche Talfahrt Simbabwes rasant beschleunigt. Im vergangenen Jahr erreichte die Inflationsrate mit 112 Prozent einen neuen Höchststand. Und dem „Brotkorb für das südliche Afrika“, wie Wermter die Rolle Simbabwes in der Vergangenheit bezeichnet, droht sogar eine Hungersnot.
Krieg im Kongo
Die Ursachen der Wirtschaftskrise sieht der Jesuit Oscar Wermter vor allem in zwei Entwicklungen: der politisch missbrauchten Landreform (dazu rechte Spalte) und dem Kriegseinsatz im Kongo (Zaire). Denn seit Jahren kämpfen bis zu 15.000 simbabwische Soldaten an der Seite von Präsident Kabila im Kongo. „Und dieser Krieg verschlingt Millionen. Die Ausgaben für Bildung und Gesundheit hingegen wurden drastisch gekürzt.“ Geheim gehalten hingegen wird, wie viele Soldaten bisher den Kriegseinsatz ihres Präsidenten Robert Mugabe mit dem Leben bezahlen mussten. Und ebenso wird in Simbabwe spekuliert, wer aus Politik und Armee zu den Profiteuren des Krieges fern der Heimat zählt. Denn immer wieder, so Wermter, werde berichtet, „dass einzelne Politiker und Generäle verwickelt sind in lukrative Bergbauunternehmen im Kongo.“
Wahltaktik
Ob die Präsidentschaftswahlen eine Veränderung für Simbabwe bringen werden, will P. Oscar Wermter nicht vorhersagen. Entschieden wird sie auf dem Land, wo 70 Prozent der Wahlberechtigten leben. Entscheidend ist, ob sie „frei und fair“ sein werden, wie dies vergangene Woche auch die Bischöfe des Landes forderten. „Doch bisher bleibt die Wahltaktik hart. Und eine weitere Eskalation der Gewalt ist zu befürchten“, meint P. Wermter.
Brennpunkt
Landreform
Dass rund die Hälfte der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche Simbabwes in Händen von 4000 Farmern liegt, ist eine soziale Ungerechtigkeitaus der Kolonialzeit. „Doch die gegenwärtige Landumverteilung hat mit Gerechtigkeit nichts zu tun“, sagt P. Wermter. Erst nach gewalttätigen Farmbesetzungen, die Kriegsveteranen im Februar 2000 gestartet haben, hat Mugabe „diesen Prozess eingeleitet, der keinen Rechtsgrundsätzen entsprechend durchgeführt wird“. Vielmehr hat der Jesuit, der seit Jahrzehnten in Simbabwe lebt, den Eindruck, dass diese „revolutionäre Weise“ an den Befreiungskrieg (1972 bis 1980) anschließt. Weiße Farmer würden zu Staatsfeinden erklärt, und Mugabes Opposition gewissermaßen als Marionettenpartei weißer Interessen verunglimpft. „Mit Blick auf die Wahlen ist das ein reines Politikum.“ Und Wermter weiter: „Viele der Farmer sind indes nicht mehr bereit, das Risiko einer Aussaat einzugehen. Diese ist meist nur mit Krediten möglich, die mit der Ernte zurückgezahlt werden können. Wer garantiert ihnen aber, dass ihnen bis dahin die Farm noch gehört? Deshalb droht Simbabwe heuer erstmals eine Hungersnot.“