Das Gespür der Menschen aus vorchristlicher Zeit ist mit eingeflossen in die Gestaltung der Fastenzeit.
Anders als die gottesdienstlichen Lesungen an den Fastensonntagen, die alle drei Jahre wiederkehren, haben die Lesungen an den Werktagen in jeder Fastenzeit stets die gleiche Abfolge. Damit sollen auch die Werktage mit ihrem Spannungsbogen auf Ostern hin besonders hervorgehoben werden. Allerdings wurden in der frühen Zeit keineswegs jeden Tag Gottesdienst gefeiert. Als Erinnerung an den Verrat an Jesus und an seinen Kreuzestod waren zunächst nur der Mittwoch und der Freitag Fastentage. Sie wurden, etwa im 4. und 5. Jahrhundert , mit einem Wortgottesdienst abgeschlossen. Die Eucharistiefeier war damals noch auf den Sonntag beschränkt. Später feierte man auch am Montag, Dienstag und Samstag Wortgottesdienste. Erst im 6. Jahrhundert kam die Wochentagsmesse auf. Der Donnerstag blieb bis ins 8. Jahrhundert gottesdienstfrei.
Auch der Lauf der Jahreszeit prägt das Kirchenjahr. In der Fastenzeit werden in der ersten Woche am Mittwoch, Freitag und Samstag die „Frühjahrs-Quatembertage“ begangen. Diese stehen mit dem Frühlingsbeginn in Zusammenhang. Der Aufbruch in der Natur, die Zeit der Aussaat, fließt so ins Kirchenjahr herein. Mit solcher Hereinnahme von Brauchtum – etwa römischen Frühlingsfesten – wird natürliches Empfinden in den Christenglauben einbezogen. Auch vor Pfingsten, in der ersten Oktoberwoche und im Advent stehen solche Quatembertage am Kalender – jeweils zum Beginn einer neuen Jahreszeit.
Christliches Fasten ist diesem „Gesundheitsfasten“ gar nicht so fremd. Sich zu reinigen, die Frühlingskraft des Aufbruchs auch in der Seele wirken zu lassen, ist eine gute Sache. Man fastet nicht nur für die Seele, sondern auch, weil es gut tut. Für Christen kommt ein anderer Aspekt hinzu: Es bleibt nicht bei der Reinigung, es geht auch um den neuen Inhalt: Der Glanz der Auferstehung soll in den Gesichtern geschrieben stehen. Der Hunger soll nicht zugedeckt werden, denn es gibt unglaubliche Nahrung.