Die österreichisch-israelische Sängerin Timna Brauer ist vielseitig. Französische Chansons, groovige Musik für Kinder und geistliche Lieder aus Israel gehören zu ihrem Repertoire. Und sie hat Visionen: Frieden für die Welt – durch Musik.
Vor einigen Tagen war sie noch in Israel und schwer zu erreichen. Jetzt ist sie in Hamburg und am 14. März wird Timna Brauer mit dem Elias-Meiri-Ensemble im Brucknerhaus Station machen. Mit ihr werden zwei besondere Chöre auf der Bühne stehen: das „Collegium Tel Aviv“, bestehend aus orthodoxe Juden, und der „Shafa-Amr-Choir“, der sich aus christlichen und muslimischen Palästinensern zusammensetzt. Die beiden Chöre werden nicht nur miteinander singen, sondern das Liedgut des jeweils anderen interpretieren.
Was auf politischer Bühne kaum mehr vorstellbar ist, lässt sich auf kultureller Ebene ansatzweise verwirklichen: das Miteinander von Juden, Christen und Muslimen. „Die meisten wollen das friedliche Miteinander, es gibt eine Sehnsucht nach Kontakt und den Wunsch aufeinander zuzugehen“, weiß Timna Brauer aus der Zusammenarbeit mit den beiden Chören – und aus eigenener Erfahrung. Sie selbst ist in mehreren Kulturen beheimatet: Vater Arik Brauer ist Österreicher, die Mutter stammt aus dem Jemen, Ehemann Elias Meiri ist in Israel geboren – westliche Welt und orientalische Kultur sind bei Timna Brauer in einem Wohnzimmer vereint.
Das von ihr initiierte Musik-Projekt hat den klingenden Namen „Voices for Peace“ („Stimmen für den Frieden“). Im Jahr 1999 erfüllte sich die multikulturelle Sängerin mit der Gründung einen Kindheitstraum. Dahinter stand und steht die Überzeugung, dass durch den musikalischen Dialog sichtbar wird, wie viel Juden, Christen und Muslime gemeinsam haben.
Musik ist universal
„Die Sprache der Musik ist universal“, das erlebt die Sängerin auch in der Probenarbeit mit den beiden Chören. Bei „Voices for Peace“ singen orthodoxe Juden mit Inbrunst über Allah und Maria, Palästinenser muslimischen und christlichen Glaubens interpretieren Synagogenliturgie. „Der Rollentausch bewirkt viel. Es werden dadurch Tabus gebrochen und die Neugierde auf das Fremde, das gar nicht so fremd ist, wächst“, berichtet Timna Brauer.
„Die Wurzel des Übels ist die Geringschätzung des anderen. Araber und Juden kennen sich kaum, obwohl sie nur um die Ecke entfernt leben“, schreibt Brauer im Begleittext zur gleichnamigen CD-Produktion. Zumindest für die Dauer des Auftritts sind Musiker und Sänger der unterschiedlichsten Herkunft auf der Bühne vereint. „Es sind Augenblicke, die keiner von ihnen missen will und die für die Zukunft prägen.“
Trotz „Weltuntergangsstimmung“ will sich Timna Brauer ihre Visionen nicht nehmen lassen. „Voices for Peace“ – das ist für sie auch ein Appell an die Vernunft, ein Zeichen dafür, dass Begegnung zwischen den Kulturen und Friede möglich ist. „Voices for Peace“ wird u. a. vom österr. Verein „Kunst gegen Gewalt“ unterstützt und tourt derzeit durch Deutschland und Österreich.
„Voices for Peace“, Do., 14. März, 19.30 Uhr im Brucknerhaus. Beachten Sie dazu das Clubangebot!