Ausgabe: 2002/09, Rumäninnen, Weltgebetstag, Fackel, Versöhnung, Bodo
27.02.2002
Christinnen in Rumänien bauen auf das weltweite Gebet am 1. März. Doch die „Fackelträgerinnen der Versöhnung“ haben mit Schwierigkeiten zu kämpfen, meint Márta Bodó.
„Warum haben Frauen zwei Taschen? Weil sie in der einen ihre Dokumente haben die beweisen, dass sie keine Hühner sind, und in der anderen haben sie die Körner.“ Dieser Witz wird oft erzählt, wenn Männer zusammensitzen – selbst wenn eine Frau anwesend ist. Und er zeigt, mit Blick auf die Anerkennung von Frauen, die Schwierigkeiten in Rumänien. In den römisch-katholischen Pfarrgemeinderäten sind in den meisten Fällen nur Männer vertreten. Die Rolle der Frauen in der Kirche beschränkt sich darauf, bei Tisch zu dienen, nachdem die Entscheidungen des pfarrlichen Lebens von Männern getroffen wurden.
Bevor 1945 die Kommunisten an die Macht kamen, war Rumänien von der Landwirtschaft geprägt. Auch heute lebt nahezu die Hälfte der Bevölkerung auf dem Land. Anders als in den Städten ist selbst heute dieses Leben traditioneller und von strengen Regeln dominiert. Daraus auszubrechen ist kaum möglich. Aufstehen und um fünf Uhr die Hühner füttern. Nach dem Frühstück beginnt die harte Arbeit auf dem Feld solange es hell ist. Nur eine kurze Mittagspause unterbricht das Tagewerk. Und am Abend heißt es noch die Hausarbeit zu erledigen.
Harte Veränderungen
Heute sind die Menschen glücklich, einen Teil ihres Bodens wieder als ihr Eigentum besitzen zu dürfen. Denn unter der Idee einer falschen Gleichheit war während der Diktatur jeder Person das Eigentum und jeder Familie die Landwirtschaft weggenommen und in staatliche Betriebe umgewandelt worden. Dort konnten sie Tag und Nacht arbeiten und erhielten den selben Lohn wie jene, die nur halb so viel arbeiteten. Diese „Erziehung“ zerstörte die Moral, aber auch Vertrauen und Freundschaft.Viele Familien verließen deshalb ihre Heimat, um in Städte zu ziehen. Dort hatten triumphierende Kommunisten, entsprechend ihrer krankhaft aufgeblähten Überheblichkeit, riesige Industriekombinate errichtet. Künstliche Städte, in denen Menschen in kleinen Schachteln leben, wurden aus dem Boden gestampft.
Schlüsselwort
Wie jede Veränderung traf dies in noch härterem Maße Frauen. Sie wurden gezwungen, sich Arbeit zu suchen und gemeinsam mit dem Mann für den Lebensunterhalt zu sorgen. Unter großem Druck waren sie konfrontiert mit der Entscheidung die bisher gewohnte Großfamilie aufzugeben. Als einzig verfügbare Verhütungsmethode galt die in staatlichen Krankenhäusern gratis durchgeführte Abtreibung. Oder Neugeborene wurden in Spitälern zurückgelassen. Als Antwort darauf entstanden riesige Waisenhäuser, wo die Weggelegten mit dem 18. Geburtstag auf die Straße gesetzt wurden.
Versöhnung ist ein Schlüsselwort in gesamten Osten Europas. Mit seinen ethnischen und religiösen Spannungen ist sie in Rumänien besonders aktuell. Frauen sind das Herz der Gesellschaft. Sie leiden mehr, wenn die Zeiten schwierig sind. Aber sie tragen auch die Fackel der Versöhnung. Denn für sie ist es keine politische Rede, sondern Versöhnung kommt aus ihren Herzen.
Márta Bodó
HINTERGRUND
Einladung zum Kreuzzeichen
„In diesem Jahr wird die Familie zum Weltgebetstag der Frauen durch den direkten Kontakt mit der Orthodoxie bereichert“, sagt Maria Gabriela Trimbîtas. Die rumänisch-orthodoxe Christin, die den Gottesdienst mitgestaltet hat, ergänzt: „Man lernt die Schätze der orthodoxen Spiritualität kennen und kann viele Vorurteile beseitigen.“
„Für mich heißt das, die Rumäninnen laden uns ein, das Kreuzzeichen bewusst zu machen“, erklärt Johanna Eisner vom österreichischen Komitee für den Weltgebetstag. Zwar ist dies für sie als römische Katholikin nicht neu, für evangelische Christinnen hingegen sei dies auch heute vielfach nicht vertraut. Neben den insgesamt neun Kreuzzeichen während des Gottesdienstes macht Eisner besonders auf die Handhaltung und Abfolge des sich Bekreuzigens aufmerksam: „Daumen, Zeige- und Mittelfinger der rechten Hand werden an den Spitzen zusammengelegt, was auf die Dreifaltigkeit hindeutet. Der nach innen gebogene Ringfinger und kleine Finger berühren die Handfläche und meint, Christus ist wahrer Gott und wahrer Mensch. Die drei Fingerspitzen werden vom Kopf zum Bauch geführt, und von der rechten zur linken Seite, wo sie über dem Herzen enden.“