Dr. Christoph Baumgartinger, der neue Geistliche Rektor des Schulamtes der Diözese,über die Chance der „vierzigtägigen Anlaufzeit“ für Ostern.
Die Fastenzeit ist für Dr. Christoph Baumgartinger eine Zeit der Einübung in ein neues Denken, das quer zur menschlichen Erfahrung steht: „Was uns der Glaube über die Auferstehung Jesu und die Auferweckung aller Menschen sagt – das zu bedenken braucht Zeit,“ meint er. Die vierzig Tage der Fastenzeit bieten eine gute Gelegenheit, diese Zumutung des Glaubens zu bedenken und als Lebenshilfe zu erfassen: „Ostern ist ein Kraftwerk an Hoffnung, eine Lebenszusage durch das Sterben hindurch“.
Das Thema Scheitern, Leid und Sterben hat unzählige Facetten. Kein Mensch kann ihm Ausweichen. Der Priester und ausgebildete Haupschullehrer: „Wir sterben um Pläne, Lebensentwürfe, Ziele.“
Wie Sandburgen
Am besten drückt für Baumgartinger das Durchkreuzt-Werden von Lebensplänen der Schauspieler und Schriftsteller Gabriel Baryllis aus. In seinem jüngsten Roman „Alles, was du suchst“ schreibt er: „Warum? Warum hat sich das Leben von einem Tag auf den nächsten verwandelt? Warum ist das Liebste plötzlich zum Fernsten geworden? Warum? Jedes Menschenalter hat diese Erfahrungen. Jedes Kind erfährt, dass seine Sandburg am Strand nach wenigen Stunden wieder unsichtbar wird. An irgendeinem Tag begreift man, dass alles, was wir errichtet haben, vergehen muss.“ Menschen fällt es schwer, diese Realiät anzuerkennen. Das raubt ihnen Lebenskraft, Motivation und auch Identität.
Geschenkte Erfahrung
Schicksalsschläge wegzuschieben oder Niederlagen zu verdrängen lässt sich nicht ein Leben lang durchhalten. Hier kommt die Botschaft von Ostern in den Blick. „Es ist die fundamentale Erfahrung, dass uns mitten im Vergehen Leben entgegenkommt. Das nennen wir Christen Auferweckung durch Gott“, so Baumgartinger.Der Rektor des Schulamtes: „Fastenzeit bedeutet nicht so sehr zu versuchen, ein besserer Mensch zu werden, sondern ein neuer Blick auf die Sandburgen des Lebens.“Baumgartinger hält Feste für eine sympathische Einladung zum Glauben. Und im Blick auf den Religionsunterricht fügt er hinzu: „Und eine natürliche Weise mit Schülerinnen und Schülern über den Glauben im Gespräch zu bleiben.“
Abseits der Trampelpfade
Der Religionsunterricht bietet dazu auch Raum, ausgetretene Pfade zu verlassen und neue Zugänge zum Glauben zu suchen. Beim Unterricht in den Volks- und teilweise auch Hauptschulen ist die Behandlung der kirchlichen Feste oft auch ein Impuls für die gesamte Familie, so Baumgartinger.
ZUR PERSON
Lebensorientierte Spiritualität
Ab 1. März ist Dr. Christoph Baumgartinger (44) als Geistlicher Rektor des Schulamtes der Diözese Linz für die theologischen Belange rund um den Religionsunterricht zuständig. (Die Kirchenzeitung berichtete.) Mit reduzierter Lehrverpflichtung wird er an der Pädagogischen und Religionspädagogischen Akademie sowie in der Studentenseelsorge tätig bleiben. Ein besonderes Anliegen ist Baumgartinger, dass junge Menschen aus der Begegnung mit Sport und Natur eine „lebensorientierte Spiritualität“ erfahren. Er selbst geht gerne Bergsteigen, Schifahren und mehrmals wöchentlich Laufen. Der passionierte Musiker – er absolvierte am Bruckerkonservatorium die Lehramtsprüfung für Gitarre – wohnt im Pfarrhof Leonding-Hart. In seiner Freizeit tritt er hin und wieder mit einem Freund (Flöte-Gitarre) auf.