Zehn Jahre nach der Verurteilung Jesu wird der Prozess neu aufgerollt. Im Mittelpunkt von Fusseneggers Theaterstück steht der römische Richter Pilatus und sein innerer Kampf.
Die Theatergruppe Christkönig hat dieses Stück anlässlich des 90. Geburtstags der österreichischen Schriftstellerin Gertrud Fussenegger erneut in ihr Programm aufgenommen. Die Literatin, die am 8. Mai 90 Jahre alt wird, kommt auch zur Premiere. Für die Inszenierung hat Fussenegger einige Passagen umgearbeitet, erzählt die Laienschauspielerin Anna Enzenhofer, die im Stück eine tragende Rolle spielt. Die 12 Schauspieler/innen der Theatergruppe Christkönig proben seit Jänner in der Kirche der Pfarre, denn das Presbyterium ist Spielort. Das karge Bühnenbild ist in der Gestaltung dem Turiner Grabtuch nachempfunden. Tische, Stühle, Liegen sind die einzige Ausstattung.
Wesentlich für diese Inszenierung sind die Personen: Pilatus, seine Frau und Saulus.
Anna Enzenhofer spielt Lukretia, die Frau des Pilatus. Lukretia, die dem christlichen Glauben nahe steht, möchte, dass sich Pilatus von seiner Schuld freisprechen kann und sich zum christlichen Glauben bekehrt. Die Person der Lukretia ist in diesem Stück zwischen Hoffnung, Verzweiflung und Wahnsinn angelegt.
Enzenhofer steht seit 40 Jahren als Laienschauspielerin auf der Bühne. Im stark hallenden Kirchenraum ohne Mikrofon zu spielen, ist die eine Herausforderung. Die römische Sicht des Prozesses Jesu zu vermitteln, ist das andere: „Für mich ist das Berührende, dass die Römer sich vom Mehrgott-Glauben zum Eingott-Glauben bekehren und welche Auswirkungen das auf jeden einzelnen hat“, erzählt sie im Gespräch.
Die Theatergruppe sieht sich als Teil der Pfarre, deshalb stehen auch Stücke am Programm, die zur Auseinandersetzung mit dem eigenen Glauben anregen.
Umgekehrt überwinden auch manche kirchlich Fernstehende ihre Schwellenangst und betreten durch Veranstaltungen wie diese erstmals wieder kirchlichen Raum, weiß Enzenhofer aus Erfahrung. „Pilatus – Szenenfolge um den Prozess Jesu“ hat am 15. 3. um 20 Uhr Premiere.
Weitere Termine: 16./22./23. um 20 Uhr, 24. 3. um 17 Uhr in der Friedenskirche, Pfarre Christkönig, Linz.