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Sozialwort: Frauen im Blickfeld der Kirche

Arbeit, Kultur – für Frauen sieht die Sache meist anders aus
Ausgabe: 2002/10
06.03.2002
- Kirchenzeitung der Diözese Linz
„Aus der Sicht der Frauen ist die Welt nicht in Ordnung“. Deshalb wird der Internationale Frauentag am 8. März weltweit begangen. Dieselben Anliegen werden im Projekt Sozialwort der christlichen Kirchen Österreichs formuliert. Egal ob Vereinbarkeit von Beruf und Familie, die Fallen der Teilzeitarbeit, die schlechteren Ausbildungsmöglichkeiten und Einkommensverhältnisse von Frauen – es gibt noch viel zu tun. Gleichberechtigung heißt, lebensgerechte Bedingungen zu schaffen. Familie und persönliche Lebensgestaltung dürfen dem Wirtschaftsleben nicht einfach unterworfen werden. Ob Bäuerinnen oder Teilzeit-Arbeiterinnen, Frauen mit Kindern oder ältere Frauen – sie alle haben ihre je spezifischen Probleme. Sie zu lösen, ist Aufgabe der Gesellschaft insgesamt.

Diese Ausgabe der Kirchenzeitung greift die Thematik unter einigen Gesichtspunkten auf: Frau zwischen Beruf und Familie, die Frau in der Kunst.


Vom Leben geschrieben


Der Sozialbericht zur Diskussion (6) – Zum Frauentag am 8. März


Aus der Sicht der Frauen ist die Welt nicht in Ordnung. Dass im Sozialbericht der Kirchen Österreichs viele Frauenprobleme sehr klar angesprochen werden, gefällt Anna Wall-Strasser von der Betriebsseelsorge Linz.

„Wir sind mit dem, was im Frauenkapitel des Sozialberichts der Kirchen steht, nicht unzufrieden. Darin werden viele Probleme angesprochen, die in unseren Gruppen häufig diskutiert werden“, meint Anna Wall-Strasser von der Betriebsseelsorge der Diözese Linz. Sie findet es wichtig, dass diese Bestandsaufnahme in einem weiteren Schritt durch zukunftsfähige Lösungsmodelle ergänzt wird. Dazu sei es vielleicht auch nötig, die anderen Kapiteln des Sozialberichts auf die Geschlechterfrage hin abzuklopfen. Genau das will das Ökumenische Forum Christlicher Frauen tun. Es führt anlässlich des Weltfrauentages (8. März) eine Konsultation zum Sozialwort der Kirchen durch. Gemeinsam mit Expertinnen verschiedener Fachrichtungen sollen zentrale gesell- schaftliche Herausforderungen diskutiert und neue Lösungsansätze erarbeitet werden.Für Margit Scherrer vom Betriebsseelsorgerzentrum Oberes Mühlviertel haben viele Überschriften des Sozialberichts ein ganz konkretes Gesicht. Veränderter Arbeitsmarkt, Vereinbarkeit von Familien- und Erwerbsarbeit, Bildungschancen für Frauen, soziale Absicherung, das Leben in Beziehungen, Gewalt in der Familie oder das Verständnis für Frauen in der Kirche – „das sind Themen, die unsere Frauenrunden immer wieder beschäftigen, weil sie das Leben auf die Tagesordnung setzt“, meint Scherrer.

Auf Abruf bereit


Da berichten Bäuerinnen, dass der Arbeitsdruck ständig steige, weil man immer mehr produzieren müsse, um überleben zu können. Teilzeitbeschäftige Frauen klagen, dass sie immer öfter auf Abruf zur Verfügung stehen müssten. Obwohl sie wegen der Kinder eine Arbeitszeit bis ein Uhr vereinbart haben, müssen sie dann bis drei, vier oder noch länger arbeiten. „Was in dieser Zeit mit ihren Kindern geschieht, kümmert ihre Chefs nicht. Wenig Verständnis bei ihren Arbeitgebern finden auch Frauen über 50, die dem Akkorddruck nicht mehr gewachsen sind. Ihre Wünsche nach weniger Arbeitszeit durch eine Gleitpensionsregelung finden kaum Gehör. Es trifft besonders die Frauen“, meint Scherrer, „dass viele Regelungen im Arbeitsrecht (Teilzeit, Gleitpension etc.) Kann-Bestimmungen sind und keine Rechtsansprüche.“

Abstieg durch Familie


Die mangelnde Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist eine Klage, von der auch die Betriebsseelsorgerinnen Maria Fischer (Nettingsdorf) und Rosa Stumberger (Steyr) ein vielstrophiges Lied singen können. Viele Wiedereinsteigerinnen nehmen Jobs unter ihrer Qualifikation (Anlern- oder Reinigungsarbeiten) an, weil sie wegen ihrer Kinderbetreuungspflichten nicht in die Ballungsräume pendeln können. Die daraus resultierenden schlechten Einkommen fallen ihnen dann voll auf den Kopf, wenn sie geschieden werden oder wenn sie auf eine eigenständige Pension angewiesen sind. Sorge bereitet den Betriebsseelsorgerinnen auch der wachsenden Druck der Arbeitsämter, die immer seltener darauf Rücksicht nehmen, dass Frauen mit Betreuungspflichten oft wenig flexibel sind. Bedrückend ist für Fischer, wie sich bereits junge Frauen damit abquälen, dass sie auf Grund der Lehrstellensituation eine Ausbildung machen, von der sie nachher kaum leben können.

Hans Baumgartner


S O Z I A L W O R T


Eine Initiative der christlichen Kirchen


Zwischen Beruf und Familie


Dass im Sozialbericht der Kirchen Österreichs ein eigenes Frauenkapitel enthalten ist, hält Maria-Beate Eder von der Kath. Frauenbewegung für richtig, weil so die Probleme und Anliegen deutlicher hervortreten. Dies dürfe aber nicht dazu führen, dass Frauenfragen in ein Sondereck abgeschoben werden. Die Geschlechterfrage muss in allen wirtschaftlichen, politischen, sozialen und kirchlichen Bereichen ausdrücklich beachtet werden. Nur so seien Veränderungen erreichbar.

Am Frauenkapitel das Sozialberichts haben viele Frauenrunden ebenso engagiert mitgeschrieben wie kirchliche Frauenorganisationen. Sie stellen fest, dass Frauen „auf Grund ihres Geschlechtes in der eigenständigenVerwirklichung ihrer wirtschaftlichen, sozialen, politischen und kulturellen Rechte nach wie vor benachteiligt sind“. Ein zentrales Anliegen ist die bessere Vereinbarkeit von Familien- und Erwerbsarbeit. Gefordert werden u. a. genügend Kinderbetreuungseinrichtungen mit flexiblen Öffnungszeiten, eine Familienpolitik, die partnerschaftliche Arbeitsteilung fördert (z. B. skandinav. Karenzgeldmodell von 80% des Lohns), mehr Qualitätsteilzeitjobs und mehr Unterstützung für Wiedereinsteigerinnen.

Auf dem Arbeitsmarkt, so der Sozialbericht, sind Frauen mehrfach benachteiligt: u. a. durch geringere Einkommen, durch die „Falle“ Teilzeit (oft schlechte Jobs), durch die Liberalisierung (Arbeit auf Abruf, unbezahlte Überstunden). Gefordert werden u. a. die sozialrechtliche Anrechnung von Familien- und Pflegearbeit, eine eigenständige Alterssicherung und mehr Frauenförderprogramme.

Mehr Infos: www.sozialwort.at

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