Der oö Karikaturist Gerhard Haderer sorgt mit seinem neuesten Werk „Das Leben des Jesus“ für Diskussionsstoff in den Medien. Lesen Sie hier einen Kommentar zum Jesus-Buch von Dr. Christoph Niemand, Professor für Neues Testament an der Kath.–Theol. Privatuniversität Linz.
1. Dass jemand ein Jesus-Bild zeichnet, das sich nicht mit dem von Christ/innen deckt, braucht nicht zu verstören. Einen Unterschied zwischen „Für wen halten die Leute mich?" und „Für wen haltet ihr mich?" gab es schon in Jesu Tagen.
2. Dass Künstler gelegentlich Jesus-Bilder zeichnen, die sich von der Glaubenssicht der Christ/innen unterscheiden und dennoch für Christ/innen wichtig und hilfreich sein können, ist eine altbekannte Erfahrung: Verfremdung, Provokation und die „andere" Perspektive können die Augen öffnen für oftmals Übersehenes.
3. Das „Jesus-Buch" von Gerhard Haderer öffnet für mein Empfinden aber überhaupt nichts: Einige witzige Einfälle zweifellos. (Obwohl: Hier war „Das Leben des Brian" natürlich viel brillanter!) Die zeichnerische Qualität jaja! (Obwohl: Manches wirkt ein wenig von Asterix abgekupfert.) Das ganze ist insgesamt banal. Ein weihrauch-koksender Jesus, der sich am Schluss in den Himmel vertschüsst, weil ihn seine Jünger mit ihrer Vermarktungstüchtigkeit nerven.
4. Fühle ich mich durch dieses Buch beleidigt? Ein wenig schon! Nicht weil Haderer ein „anderes" Jesus-Bild zeichnet, sondern weil er Jesus unterfordert. Jene Gestalt, die mir und Abermillionen Menschen wichtig und lebensprägend ist, hätte – gerade auch für einen Karikaturisten – viel mehr herzugeben, als ein paar abgestandene, dünne Witzchen.