Caritas und Diakonie reden nicht nur davon, wie die Integration von Ausländern aussehen sollte. Sie leben es vor.
Im Dezember 1997 hat der Flüchtlingsdienst der evangelischen Diakonie in Wien das Projekt INTO gegründet. Seit Herbst 2001 gibt es auch in Salzburg einen Ableger. „Unser Ziel ist es, dass Menschen, die als Flüchtlinge gekommen sind, wieder Boden unter den Füßen bekommen und ihr Leben hier selbst in die Hand nehmen können“, betont INTO-Leiterin Alexandra Gröller.
Ein Stück des Weges
Die Klienten des Projektes sind anerkannte Asylanten, Flüchtlinge, die – auch ohne Asylstatus – aus Sicherheitsgründen nicht abgeschoben werden, Asylwerber mit Aufenthaltsberechtigung. „Unsere Aufgabe“, so Gröller, „sehen wir darin, diese Menschen ein Stück ihres Lebens zu begleiten. Wenn sie zu uns kommen, sind sie oft in einer schwierigen Situation. Sie haben vielleicht nach Monaten des Wartens und der Angst einen Asylbescheid oder eine Aufenthaltserlaubnis in den Händen und einen Koffer voller Hoffnungen im Herzen. Aber spätestens, wenn sie merken, dass das für ein Leben im Gastland nicht reicht, fallen sie in ein tiefes Loch. Wir versuchen ihnen Mut zu machen und bieten ihnen eine individuell angepasste Begleitung zu einem selbständigen Leben an“, sagt Gröller.
Schritte ins Leben
Nach einem ausführlichen Erstgespräch und der Aufnahme in das Projekt erarbeiten Betreuer und Klient/-in gemeinsam einen Integrationsplan. Dabei wird festgelegt, welche Sprachkurse und weiteren Ausbildungsmaßnahmen notwendig sind, damit der/die Betroffene einen möglichst seiner/ihrer Qualifikation entsprechenden Job findet. „Ein Uniprofessor aus dem Kongo braucht andere Kurse als ein sudanesischer Mechaniker“, betont Gröller. Für allgemeine Sprachkurse werden Plätze eingekauft. Daneben organisiert INTO alltagsspezifische und berufsorientierte Sprachkurse selber, weil es die auf dem Markt nicht gibt. Ebenso bietet das Projekt eigene Computerkurse an, damit die Klienten sich diese auch leisten können.Weiters leistet INTO Rechtsberatung für Klienten und Firmen, die einen Flüchtling beschäftigen möchten, Hilfe bei gesundheitlichen oder psychischen Problemen, Unterstützung bei der Arbeitssuche oder Kinderbetreuung. Eine wichtige Säule des Programms ist die Vermittlung von günstigen Zwischenwohnungen, von denen INTO rund 60 angemietet hat. „Die Sorge um den eigenen Haushalt, die Miete und das Auskommen mit den Nachbarn (von sehr hilfsbereit bis rassistisch) sowie das Zupacken bei nötigen Renovierungen und das Entwickeln sozialer Kontakte zum Umfeld fördern die Selbständigkeit“, meint Gröller. 300 Flüchtlinge wurden bisher im INTO-Projekt betreut. Nach knapp zwei Jahren haben 70 Prozent eine angemessene Arbeit, eine eigene Wohnung und gute Sozialkontakte. Unser Ziel ist Zufriedenheit, die der Flüchtlinge und die der mit ihnen lebenden Österreicher/-innen“, sagt Gröller.
Die Antwort der Bischöfe
Zur Sache
„Die Kritik der Caritas und der Diakonie ist nichts wert.“ So bewertete VP-Klubobmann Andreas Khol die Stellungnahme der größten kirchlichen Wohlfahrtsverbände zum Integrationspaket der Regierung. Und er sprach von ignoranten „Berufskritikern“. Caritas-Bischof Alois Kothgasser (Innsbruck) wies Khols Attacke entschieden zurück. Es sei immer Aufgabe der Caritas gewesen, sich nicht nur um Menschen in Not und benachteiligte Gruppen zu kümmern, sondern „auch die Ursachen dieser Probleme deutlich zu benennen und Vorschläge für Verbesserungen einzubringen. Bisher, so Kothgasser, sei es „gute politische Tradition“ gewesen, diese Vorschläge ernst zu nehmen und nicht abzuwerten. „Wenn die Erfahrungen der Praktiker politisch als nicht mehr wichtig angesehen werden, dann ist das ein Verlust für die politische Kultur und die Zukunftschancen der Menschen.“
Der evangelische Bischof Herwig Sturm reagierte „tief bestürzt“ auf die Aussagen Khols. Dieser beleidige nicht nur die Kirchen, sondern auch „unzählige haupt- und ehrenamtlich engagierte Mitarbeiter/-innen und Hundertausende Spender/-innen. Die Kirchen hätten für die Betreuung von Flüchtlingen Millionen ausgegeben, „weil der Staat seine Verantwortung nicht wahrgenommen hat. Die Politik hat es leider nicht für nötig gehalten, die Konzepte von Caritas und Diakonie zu beachten.“