Immer mehr Menschen nehmen bei Lebenskrisen eine Beratung in Anspruch. Logischerweise braucht es daher auch mehr Personal.
Österreichweit gibt es 112 Ehe-, Familien- und Lebens-Beratungsstellen, 19 davon allein in Oberösterreich. Verschiedene Diözesen bilden nach Bedarf Personen zu Dipl. Ehe-, Familien- und Lebensberatern aus. In der Diözese Linz steht Mag. Gerlinde Poimer seit Jänner in Nachfolge von Mag. Rolf Sauer der Lehranstalt für Ehe- und Familienberatung vor. Vor allem auch außerhalb der Ballungsräume wird mehr Personal gebraucht. Die neue Direktorin weiß aus langer Beratertätigkeit: „Einerseits wird die seelische Not der Menschen größer, andererseits wird es nicht mehr als Zeichen der Schwäche gesehen, wenn man sich in bestimmten Situationen begleiten lässt.“
Im Herbst beginnt in der Diözese Linz wieder ein neuer Lehrgang. Der Lehrgang ist berufsbegleitend, dauert sieben Semester und findet einmal monatlich als Wochenendkurs und zweimal im Jahr als eine ganze Ausbildungswoche statt. Voraussetzung ist die Reifeprüfung bzw. ein der Matura entsprechendes Bildungsniveau, einschließlich abgeschlossener Berufsausbildung. Es handelt sich um eine Schule mit Öffentlichkeitsrecht. Das Aufnahmealter beträgt in der Regel 25 bis 40 Jahre. Bevorzugt werden Sozialarbeiter und Angehörige verwandter Berufe mit Praxis in Menschenführung. Kenntnisse in der Erwachsenenbildung sind von Vorteil – auch später sollen die Absolvent/innen in der Erwachsenenbildung eingesetzt werden. Die Eignung wird in Einzelinterviews und einer Auswahltagung getestet. Es sollen etwa gleich viel Männer wie Frauen genommen werden. Die Ausbildung basiert auf systemischer Familientherapie sowie auf den Grundlagen der Gesprächstherapie nach dem amerikanischen Psychologen Carl Rogers.
Bodenständigkeit
Man braucht für den Berater/innenberuf gute seelische Konstitution und eine gewisse Bodenständigkeit, um offen und wertschätzend den vielen beruflichen Herausforderungen und Lebenseinstellungen zu begegnen. Gerlinde Poimer, die im zweiten Bildungsweg studiert hat: „Es war für mich die schönste meiner Ausbildungen – sie war nicht nur wissensvermittelnd, sondern sehr persönlichkeitsbildend.“ Dieser Geist fließt auch in die Ausbildung ein: Neben hoher Fachkompetenz wird auf ganzheitliche Sichtweise der Dinge, Spiritualität und Herzensbildung Wert gelegt. In Peer Groups und Selbsterfahrungswochen wachsen auch Vertrautheit und Freundschaften.
Lehranstalt für Ehe- und Familienberatung: Tel. 0732/773676, Anmeldeschluss für den Lehrgang im Herbst: 17. Mai.
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Was sind die Probleme in Beratungsstellen? Eine bunte Mischung von allem, was das Leben bereithält: Familienkonflikte jeder Art, finanzielle Probleme, Generationsfragen, Sprachlosigkeit in der Beziehung und in der Sexualität (in allen Altersklassen), Lebens-orientierung, Ziel- und Sinnfindung, Lebens- und Existenzängste, fehlendes soziales Netz (vor allem bei Singles), Burnout-Syndrom. Beraterqualität zeigt sich darin, eigene Grenzen zu kennen. Oft wird daher an andere Stellen weiterverwiesen.