Im Krankenhaus gehen die Uhren für alle spürbar anders! Wie verhält man sich als Besucher/in richtig?
„Jeder Krankenbesuch ist eine Herausforderung und auch eine Bereicherung!“, sagt Dr. Anna Seyfried. Sie ist Referentin für Krankenhauspastoral in der Diözese Linz und seit 16 Jahren Krankenhausseelsorgerin und hat viel Erfahrung mit Besuchen. Ein gutes Kommunikationssystem innerhalb der Familie beeinflusst das Wohlergehen des Patienten: Damit das Personal nicht ständig von wechselnden Personen über dessen Befinden gelöchert wird, soll eine Ansprechperson da sein, die für den Informationsfluss sorgt. Absprache ist auch über Besuchszeitpunkte günstig, damit nicht fünf Besuche in einer Stunde kommen und dann drei Tage niemand.
Den Patienten allein zu besuchen, ist für ihn weniger anstrengend. Des Öfteren beobachtet Dr. Anna Seyfried, dass über den kritischen Zustand von Patienten geflüstert oder laut geredet wird, z. B.: „Schrecklich, wie er schon ausschaut!“ Es gibt auch Besucher/innen, die „Rundgespräche" führen, anstatt mit dem Kranken zu reden. Ganz wichtig ist es dessen Befindlichkeit anzuschauen: Wie geht es ihm/ihr heute? Will er/sie über seinen Zustand reden, oder möchte er/sie etwas von draußen hören?
Ist der Patient müde, hat er eine schweißnasse Stirn? Vielleicht mag er, dass der Besuchende nur dasitzt. Man muss auch lernen Schweigen auszuhalten. Manchmal werden Berührungen, wie Halten der Hand, als wohltuend empfunden. Will er reden, ist es unsensibel, gleich mit Beschwichtigungen und Tröstungsversuchen ins Wort zu fallen. Einmal erlebte Dr. Seyfried eine Patientin, die weinend zurückblieb. Ihr ging es an dem Tag psychisch schlecht und ihre Freundin war ratlos weggegangen, weil die Kranke deren gut gemeinte aufheiternde Witze nicht lustig gefunden hat. Selbst die Forderung: „Werde schnell gesund!“, kann belasten. Respektiert soll werden, wenn jemand nicht besucht werden will.
Geschenke mit Liebe
Wenn man sich auf einen Sessel niederlässt, signalisiert man: Ich nehme mir Zeit, und der Liegende muss nicht „aufschauen“. Das Bett selber ist die einzige Privatsphäre, nur Nahestehende sollen sich darauf setzen. Ein mit Liebe ausgesuchtes Mitbringsel löst erfahrungsgemäß die größte Freude aus. Das kann sein: eine witzige Karte, die erste Tulpe aus dem Garten, ein Foto von der Katze, über das der Kranke ins Gespräch mit seinem Bettnachbarn kommt, ein vom Enkelkind bemaltes Osterei ...
„Jeden Tag um fünf Uhr kommt mein Vater!“, erzählte ein 15-Jähriger voll Freude und Stolz.Diese Treue und Verlässlichkeit weckt neue Energien und kurbelt den Genesungsprozess an. Der Kranke spürt: Da ist jemand, auf den ich mich verlassen kann, dem was daran liegt, dass ich gesund werde.
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In Gottes Hände legen
Nahestehende von Schwerkranken tragen oft Belastendes mit sich herum – Unaufgearbeitetes und eigene Ängste, das sie ausreden möchten, bevor es zu spät sein kann. Dr. Anna Seyfried: „Man darf das Ansprechen behutsam versuchen. Ist dies nicht (mehr) möglich, kann man auch manches in Gottes Hände legen. Da ist es gut aufgehoben!“ In schwierigen Situationen kann man sich auch an die Krankenhausseelsorge um Rat wenden.
Viele Krankenhäuser bieten das Service der Internet-Grußkarten an. Sie werden den Patienten von den Pflegepersonen zugestellt.
In vielen Pfarren werden eigene Besuchsdienste angeboten. In manchen Diözesen gibt es dafür eigene Mitarbeiter/innen-Schulungen – in Linz von der Pfarrcaritas organisiert, Tel. 0732/76 10-2348, Frau Lucia Zeiner.