Ein jubelnder Prozessionszug, wenige Minuten später die Leidensgeschichte Jesu. Kaum ein anderer Tag verdichtet das Glaubensgeschehen so sehr wie der Palmsonntag.
In der Frühzeit der Kirche haben jene, die zu Ostern getauft werden sollten, das Glaubensbekenntnis überreicht bekommen. An diesem Tag wurden sie auch gesalbt – das Symbol für die Stärke im Glauben. Was Glaube sagt, wo die Grenzen des Glaubens liegen, sollte nach der Zeit der Vorbereitung nun klar vor Augen stehen. Jene Bibelstelle, in der Maria Jesus die Füße salbt, wurde damals im Gottesdienst gelesen. Das war in Betanien, wo Jesus Larzarus zum Leben erweckt hat. Unmittelbar an diese Erzählung berichtet das Johannesevangelium vom Einzug Jesu in Jerusalem. Der Schwerpunkt des Palmsonntags wanderte allmählich auf diesen Aspekt: Jesu triumphaler Einzug in Jerusalem. Erst ab dem 8. Jahrhundert wurde dieser Einzug in der Liturgie „nachgeahmt“. Die Palmprozession mit allem Drum und Dran hat dort ihren Ursprung. Ein Palmesel wurde, in Anlehnung an die biblische Erzählung, teilweise mitgeführt. Und weil es in nördlichen Breiten keine Palmen gab, verwendete man andere früh grünende Gewächse. In der mittelalterlichen Wundergläubigkeit haben die Menschen die Knospen der Palmzweige sogar gegessen. Auf den Äckern sollten sie vor Unwettern schützen, Ungeziefer und und Raubtiere aus dem Stall fernhalten. Die Feier des Palmsonntags ist voller Spannung. Der wie ein Sieger in die Stadt einzieht, ihn werden sie töten! Die Osterbotschaft mit der Spannung zwischen Tod und Auferstehung wird vorweggenommen. Wer diesem Christus zujubelt, wer sich auf seine Seite stellt, tut dies mit der Bereitschaft, sein ganzes Leben für ihn einzusetzen.Die gesegneten Palmzweige sind keine Symbole mit Zauberkraft. Dennoch wirken sie, indem sie die Dramatik des Palmsonntags über Ostern hinaus in Erinnerung rufen. Wie sehr traue ich Jesus? Will ich nur den Triumph, oder nehme ich auch den Kreuzweg auf mich? Das ist die Frage des Palmsonntags. Das ganze Bekenntnis wurde einst den Taufwerbern anvertraut.