So ernst nahmen die frühen Christen die Auferstehung, dass Niederknien und Fasten während der „Fünfzig Tage nach Ostern“ verboten waren.
Der auferstandene Herr ist da – also gibt es kein Trübsalblasen. Die „Fünfzig Tage nach Ostern“ stehen ganz im Zeichen der Freude. Die Osterkerze wird bis zum siebenten Sonntag nach Ostern beim Gottesdienst brennen. Es ist die Zeit des Halleluja. Die erste nachösterliche Woche wird als „Osteroktav“ bezeichnet. Die Gedenktage der Heiligen entfallen in dieser Zeit. In der alten Kirche trugen die Neugetauften in dieser Woche noch ihre Taufkleider. Übrig geblieben von dieser Tradition ist der Weiße Sonntag. An diesem Tag wurden die weißen Taufkleider wieder abgelegt. Im 7. Jahrhundert wurde eine jährliche Tauferinnerung üblich. Alle Christen erinnerten sich zusammen mit den Neugetauften an ihre eigene Taufe. Diese Feier wurde am Montag nach dem Weißen Sonntag gehalten. Als es immer mehr üblich wurde, schon Kleinkinder zu taufen, verlor der Weiße Sonntag seine Hauptsinnrichtung. Aus ihm wurde immer mehr der Sonntag der Erstkommunion. Ab dem 18. Jahrhundert war dies verbreiteter Brauch, wenngleich die Erstkommunion natürlich an jedem anderen Tag auch möglich ist. Die Osteroktav wurde in früheren Zeiten wirklich als Festwoche begangen, in der die Erwerbsarbeit ruhte. Schon damals nahm der Druck der Wirtschaft zu. Eine so lange Unterbrechung der Arbeit wollte man sich nicht mehr leisten, und so verkürzten sich die Feiertage auf drei Tage – von Ostersonntag bis einschließlich Dienstag. Heute ist diese Phase noch in der Ferienordnung gegeben. Für Berufstätige ist lediglich der Ostermontag noch als freier Tag geblieben. Die Zeit nach Ostern ist die Situation, in der ein Christ heute lebt. Ostern in seiner Einmaligkeit ist ja schon geschehen. Der Mensch lebt im Zustand der Erlösung. Was er erhofft, hat er immer schon empfangen, worum er bittet, ist in einer gewissen Weise auch schon erfüllt. Was den Einzelnen gilt, gilt auch der Kirche insgesamt. Kleinglaube ist nicht angesagt – so das Evangelium vom ungläubigen Thomas. Also sollte man sich nicht ängstlicher Sorge hingeben. Nicht das Beugen der Knie, ob aus eigenem gebeugt oder von einer Macht niedergedrückt, sondern das Aufstehen nach dem Beugen der Knie kennzeichnet den Osterglauben.