Alleinerziehende: Diese Familienform braucht Regeln, Mut und Power
Ausgabe: 2002/14, Alleinerziehende, Familienform,
02.04.2002
- Maria Haunschmidt
Timo will einen Burger, er will dies und das – geschickt nützt der Bub aus, dass sein Vater am Besuchssonntag um seine Gunst wirbt.
Timos Vater fühlt sich selber nicht wohl in der Rolle des Verwöhners, er weiß aber keine Alternative. Die Mutter des Buben, die den Erziehungsalltag bewältigen muss, findet es gar nicht lustig, dass dieser meint: „Beim Papa ist es viel cooler!”
Für die Lebensform „Alleinerziehende“ gibt es kaum Vorbilder. Eine Tagung in Linz beschäftigte sich vor kurzem mit dem Thema „Alleinerziehend: Lust oder Frust? ... zwischen Lebenskrise und neuem Selbstverständnis“. Jede zehnte Frau ist heute allein erziehend (auch Väter holen etwas auf). Mehr als 18.000 Kinder sind jährlich von Scheidungen betroffen, wobei es ein großes Stadt-Land-Gefälle gibt. Jede Situation, jeder Fall ist anders: Einmal geht es um das Finanzielle, dann um Betreuung und öfter als man glaubt, kümmern sich Väter nicht (mehr) um ihre zurückgelassenen Kinder.
Zu mehr Mut, diese Lebensform zu bewältigen und Hilfen in Anspruch zu nehmen, rief die Psychologin und Psychotherapeutin Mag. Sylvia Schramm auf. Im Tun gelingt der Schritt in die Zukunft. „Jammern bringt gar nichts“, drückt es die allein erziehende Brigitte aus. „Gewöhnlich mobilisiert die neue Situation in Alleinerziehenden ungeahnte Kräfte“, so Sylvia Schramm. Allerdings sollen die betroffenen Elternteile auf ihre eigenen Bedürfnisse und Freiräume nicht vergessen und auch Hilfe in Anspruch nehmen.
Es gibt gute Angebote für Alleinerziehende: Selbsthilfegruppen, aber auch Mediation für getrennte Eltern, die offene Fragen klären wollen, Gruppenbegleitung für Scheidungskinder sowie Familientherapie. Wenn es den Eltern gelingt, ihre Konflikte nicht auf dem Rücken der Kinder auszutragen, akzeptieren viele betroffene Kinder die neue Situation erstaunlich gut, ja sie werden oft sehr selbstständig und lebenstüchtig.
Auch ein Gewinn
Der Kinder zuliebe sollen sich die Eltern miteinander in wichtigen das Kind betreffenden Fragen absprechen. Neue Krisenherde tun sich auf, wenn Vater oder Mutter neue Partner haben. Das erfordert Anpassung und viel Sensibilität. Sylvia Schramm rät, dass sich diese abwartend verhalten und nicht gleich als neuer Vater oder neue Mutter anerkannt werden wollen. Die Kinder brauchen Zeit, den „Eindringling“ zu akzeptieren. Dann allerdings kann es sehr positiv sein, einen neuen Freund, eine Freundin gewonnen zu haben, vielleicht auch nette Stief-Großeltern.
Die Familiensoziologin Dr. Martina Beham-Rabanser machte ihrem Unmut Luft, dass die Gesellschaft auf die neuen Familienformen viel zu wenig reagiert – z. B. mit erweiterten Öffnungszeiten der Kindergärten, vor allem in Orten am Land. Selbst halbtags beschäftigte Mütter kommen mit den Abholzeiten kaum zu Rande.
Zur Sache
Aus dem Leben
Wenn ich mich für gesellschaftliche Anliegen engagieren oder etwas für mich tun möchte, ist dies schwierig, besonders wenn dazu Abendtermine einzuhalten sind. Es ist ein Haushalten mit meiner Energie und meiner Zeit notwendig, da es schnell zur Unruhe kommt, wenn ich viel unterwegs bin. Ich habe das große Glück, dass die Großeltern väterlicherseits sehr oft bereit sind, die Kinderbetreuung zu übernehmen und zwar mit großer Regelmäßigkeit, während ich arbeite oder zusätzliche Termine habe. Dies ist eine große Erleichterung für mich. Auch habe ich in ihnen und in meinen Freundinnen seelische und praktische Unterstützung, die mir über Krisensituationen hinweggeholfen hat. Eine Alleinerzieherin