„Thomasmessen“ für Zweifler, Suchende und Bedrückte
Ausgabe: 2002/14, Thomasessen, Zweifler, Bedrückte, Suchende, Trost, Gottesdienst, Sonntag, Not
03.04.2002
- Josef Wallner
„Thomasmessen“ sind Gottesdienste für Zeitgenossen, die mit dem Glauben ihre liebe Not haben.
„Wie müsste ein Gottesdienst aussehen, in dem ich meine nicht kirchlichen Freunde einladen könnte?“, fragte sich der finnische Journalist und ehemalige Pastor Olli Valtonen. Gemeinsam mit Freunden entstand 1988 in Gebet, Gespräch und Studium der christlichen Liturgien die „Thomasmesse“. Heute kommen wöchentlich bis zu 1000 Menschen – hauptsächlich junge Erwachsene – in die Agricola-Kirche von Helsinki. Das Geheimnis der Thomasmessen, wie sie von den Kirchen der Reformation gefeiert werden, ist schwer auszumachen. Vor allem für Katholiken: Finden sich doch in den Thomasmessen eine Fülle von Elementen, die im katholischen Gottesdienst fest verankert sind: feierlicher Einzug, Knien, Taizé-Gesänge, liturgische Farben, Evangelienprozession. All diese Symbole werden bei den Thomasmessen sehr bewusst eingesetzt und rühren die Gottesdienstbesucher/innen an.
Vor allem die Einladung Jesu: „Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid“, wird praktisch erlebbar. Es gibt verschiedene Stufen, diese Einladung anzunehmen: vom Aufschreiben einer Fürbitte über die persönliche Segnung und Aussprache bis hin zur Krankensalbung. Und natürlich der Empfang des Abendmahls. Oder man geht zu verschiedenen Gebetsaltären und übergibt seine Anliegen einer Gebetsgruppe. Die Erfahrung zeigt, dass viele Gottesdienstbesucher/innen gerne auf die „sinnlichen“ Angebote des Trostes zurückgreifen. Die Idee der Thomasmessen fand ab 1993 auch in Deutschland Nachahmung. Dort werden in über fünfzig Städten mehrmals im Jahr Thomasmessen gefeiert. Der „ungläubige Thomas“ aus dem Evangelium hat diesen Messen den Namen gegeben: „Komm und fühle meine Wunden und sei nicht ungläubig, sondern gläubig.“