Antisemitische Äußerungen gehören in manchen gesell-schaftlichen Kreisen, leider auch in einigen christlichen Gruppierungen zum „guten Ton“. Die Wurzeln dafür reichen weit in die Geschichte des Vorderen Orient und der christlichen Kirchen zurück. Dem Historiker, Papyrologen, anglikanischen Theologen C. P. Thiede und seinem Basler Kollegen U. Stingelin ist zu danken, dass sie ein Buch vorlegen, das in erschütternder Weise darlegt, was Gelehrte der hellenistisch-römischen Welt und der frühen christlichen Kirchen aus Unverständnis, Gehässigkeit, ja offenem Hass gegen das jüdische Volk und seine Religion vorzu-bringen wussten und so nachfolgende Generationen bis heute prägten.
Die Autoren führen aus, dass die Feindschaft auf das Juden-tum bereits eine außer- und vorchristliche Erscheinung ist, die jedoch durch die geschichtlichen Umstände und die Missdeutung von Passagen des Neuen Testaments erheblich verstärkt wurde. In einem ersten Abschnitt (S. 27-91) werden die antiken, außer-christlichen Texte in neuer Übersetzung und mit einer für jeden verständlichen Interpretation dargeboten. Ebenso werden jene Stellen des Neuen Testaments (2. Kapitel) erklärt, denen Antijuda-ismus vorgeworfen wird. Im dritten Kapitel haben die Autoren christliche Texte von 2.-5. Jh. zusammengestellt, Texte, die Schamröte in das Gesicht treiben sollte. Im Anhang wird kurz auf die Judenfeindschaft im Koran eingegangen. Es ist zu wünschen, dass viele Leser aus diesem Buch für ihre eigene christliche Existenz die Konsequenzen ziehen.
C. P. Thiede/ U. Stingelin, Die Wurzeln des Antisemitismus, Judenfeindschaft in der Antike, im frühen Christentum und im Koran, Brunnen-Verlag, Basel-Gießen 2002, 175 Seiten, E 10,90.