Dass Männer gewalttätig werden ist kein Randphänomen. Der Psychotherapeut Joachim Lempert referierte vor 200 Männern über Wege aus der Gewalt.
Die Situation ist paradox: Über 80 Prozent der Männer sagen, dass die eigene Familie das wichtigste in ihrem Leben ist. Gleichzeitig wird jeder fünfte Mann im Laufe seines Lebens gegenüber der Partnerin gewalttätig. „Männer benötigen Unterstützung, damit sie sein können, wie sie sein wollen, nämlich liebevolle Familienväter“, erklärt Joachim Lempert. Er leitet in Hamburg die Beratungsstelle „Männer gegen Männergewalt“. Entscheidend für wirksame Hilfe sei das Bild, das man vom Täter habe: „Männer, die geschlagen haben, sind keine Monster, auch wenn ihre Handlung durch nichts zu rechtfertigen ist.“ Die „Täterarbeit“ von Lempert nimmt Männer in ihrem Wunsch ernst, liebevolle Partner zu sein. Diese Methode setzt das Wertvollste im Menschen frei: den Wunsch zu wachsen und sein Leben selbst zu gestalten. So erfahren die Männer in der Beratung, dass sie nichts verlieren, wenn sie auf Gewalt verzichten, sondern dass sie nur gewinnen. Wer unter diese Voraussetzungen an die Männer herangeht, drängt sie nicht in die Ecke, sondern gibt eine echte Hilfe sich nachhaltig zu ändern, weiß Lempert aus Erfahrung.
Bei der Tagung wurde auch – noch druckfrisch – ein Männeratlas vorgestellt. Die Broschüre der Katholischen Männerbewegung und der Männerberatung der Diözese Linz sowie der Männerinformationsstelle des Landes Oberösterreich gibt erstmals einen umfassenden Überblick über Anlaufstellen bei Männerthemen: vom Verlassen des Hotels „Mama“ über Vater sein und Krisen bis zur Spiritualität.
Der Männeratlas, 80 Seiten, ist zum Preis von E 5 zu beziehen: KMB, Kapuzinerstraße 84, 4021 Linz, Tel. 0732/76 10-3461.