Magdalena und Johann haben sich in gut zwanzig Jahren Ehe auseinander gelebt. Die gegenseitigen Verdächtigungen, Vorwürfe und Angriffe haben sie stumm gemacht. Ihre Gespräche wurden immer dünner. Tauschten sie früher noch gegensätzliche Meinungen aus, so vermeiden sie mittlerweile, was der andere missverstehen könnte – und das, meint Magdalena, ist so ziemlich alles. Zur Zeit beschränken die beiden sich auf Informationen, die harmlos sind oder von denen sie annehmen, dass sie der andere gerne hört. Von sich zu erzählen haben sie verlernt. Magdalena hat alleine den Schritt in die Beratung getan.
Die Antwort:
In der Beratung hat Magdalena zunächst viel von ihren Vorstellungen und Sehnsüchten nach einer beglückenden Beziehung erzählt. Viele Wünsche blieben davon unerfüllt. Der vielleicht sogar unerfüllbare Wunsch ist der nach mehr Intimität, geistig und körperlich.
Gleich in der ersten Beratungsstunde hat Magdalena entschieden festgestellt, dass eine Scheidung für sie nicht in Betracht kommt. Dazu fühlt sie sich durch alles Leidvolle hindurch immer noch stark an Johann gebunden. Sie spürt noch Glut unter der Asche und glaubt an die Möglichkeit einer Sanierung der Beziehung. Außerdem kann sie sich eine Trennung oder Scheidung aufgrund ihrer gesellschaftlichen Position und der wirtschaftlichen Situation nicht leisten. Zur Zeit überlegen wir (Johann ist nicht bereit in den Beratungsprozess einzusteigen), wie bei der konkreten Realität ein würdiges Nebeneinander möglich ist. Der bewusste Verzicht auf ein intimes Zusammenleben, also der Verzicht auf die Vertrautheit im offenen Gespräch, ist ein erster Schritt.
Die Anerkennung dessen, was schon längst Wirklichkeit ist, ist der Preis, der gezahlt werden muss, wenn nach zerbrochener Hoffnung ein menschenwürdiges Leben als faires, höfliches und respektvolles Nebeneinander möglich werden soll.
Seitdem Magdalena beschlossen hat, mit Johann zu wohnen und nebeneinander zu leben, achtet sie noch mehr auf die Grundhaltung des Wohlwollens. Auch dadurch, dass sie ihre Ansprüche reduzierte und der Realität anpasste, entspannte sich das Klima. Das ist auch Johann schon aufgefallen. Wie wird es weitergehen?
Pfarrer Mag. Franz Harant, antwortet als Ehe-, Familien- und Lebensberater.