Stift St. Florian: Ausstellung über gotische Buchmalerei in Oberösterreich
Ausgabe: 2002/19, Stift, St. Florian, Gotik, Buchmalerei,
08.05.2002
- Josef Wallner
Im Rahmen der Ausstellungen „Gotikschätze Oberösterreich“ werden in der Bibliothek des Stiftes St. Florian 37 Pracht-handschriften gezeigt.
Nicht zufällig wurde St. Florian als Präsentationsort gewählt: Neben dem Raum Wien–Klosterneuburg war das Stift das zweite wichtige Zentrum der gotischen Buchmalerei in Österreich. Eine Vielzahl an Künstlern hatte sich zwischen 1274 und 1291 hier niedergelassen, um die neu erbaute gotische Kirche auszugestalten und danach Messbücher für die vielen Altäre zu schaffen. So enstanden innerhalb weniger Jahrzehnte – bis etwa 1330 – Bibeln, Messbücher und theologische Werke von einzigartiger Qualität. Die „Florianer Buchmalerschule“ beeinflusste mit ihren Qualitätsstandards auch die Schreibstuben in den Klöstern weit über die heutigen Landesgrenzen hinaus und Ordensgemeinschaften gaben Bücher bei den Florianer Künstlern in Auftrag.
Von den 37 gezeigten Handschriften stammen 20 aus dem Bestand der Stiftsbibliothek St. Florian. Die Sonderausstellung in St. Florian ist die kostbarste Schau unter den zehn Gotikausstellungen, die heuer in Oberösterreich gezeigt werden. Die Versicherungssummen für jeden einzelnen Band betragen rund eine Million Euro. Die Bücher sind aber seit ihrer Entstehung von enormen Wert: Die Anschaffung mancher Bücher kostete die Klöster eine Summe, die dem Kaufpreis mehrerer Häuser entsprach. Zu den Prachtstücken der „Gotikschätze“ gehören das Missale des Florianer Chorherren Heinrich von Marbach und die Bibel des Friedrich von Aich.
Die Ausstellung ist bis 27. Oktober 2002 im Rahmen der täglichen Stiftsführungen zu besichtigen. Informationen: Stift St. Florian, Tel. 07224/89 02-0 und www.stift-st-florian.at