Tausche Himmel gegen Erde! Diese Sehnsucht manch Frommer hätte die „Himmelmutter“ Maria wohl nicht geteilt.
Nach dem Himmel geht die Sehnsucht vieler Menschen. Leid und Mühe sind vorbei. Der Himmel, das ist ein besseres Leben, erlöst von aller Last. Maria – so sagt das kirchliche Dogma – ist aufgenommen in den Himmel. Viele Menschen sind auf der Suche nach dem Himmel. Mit jedem Möbelstück, das sie kaufen, soll die kleine eigene Welt ein Stück himmlischer werden. Jede Haushaltsmaschine, die sie sich zulegen, macht irgendetwas ein klein wenig einfacher. Und man meint, es wäre dann ein himmlischeres Leben. Der Himmel ist Komfort, so das Versprechen. Ein Irrtum allerdings! Die „Himmelmutter“ zeigt es anders. Ihre „Leistung“ – wenn man dieses Wort verwenden will – besteht nicht in der Überwindung des Irdischen, sondern dass sie sich mit Leib und Seele dem Leben zugewandt hat. Sie hat nicht den Himmel gesucht, indem sie sich wie in einem gewaltigen Akt der Selbstüberwindung aus den irdischen Verstrickungen herausgearbeitet hat. Ihr Ja zu Jesus hat sie fest mit den irdischen Sorgen und Gegebenheiten verbunden.In diesem Ja zum Leben liegt das Geheimnis der Erlösung. Maria ist nicht in den Himmel aufgestiegen. Sie wurde aufgenommen in den Himmel. Gott hat diese Maria aus Nazareth angenommen. Das sagt der Glaube. Viele Menschen sind auf der Suche nach der besseren Welt. Und ein wenig schwingt in dieser Sehnsucht die Enttäuschung über ihr eigenes Leben mit. Wer jedoch ständig nur auf die bessere Welt aus ist, wird die gegebene Welt nicht annehmen können. Der Himmel ist nicht das leichtere Leben. Er hat mit der Gnade zu tun, die Welt annehmen zu können. Niemand kennt die Gedanken und Wünsche, die Maria zu ihren Lebzeiten gehabt hat. Es könnte sein, dass es sehr irdische Gedanken und Sorgen waren. Aber gerade deshalb, weil sie sich ganz den ihren zugewandt hat, ist sie die „Himmlische“ geworden. Wer die Welt – mit den Menschen und mit allem, was diese Welt ausmacht – annehmen kann, erlebt den Himmel.