Ausgabe: 2002/19, Finanzkrise, Klagen, Boston, Rücktritt, Kritik, Politik, Prag, Jugendgericht;
10.05.2002
- Finanzkrise durch Klagen
Boston. Die Erzdiözese Boston hat ein Abkommen zur Entschädigung von 86 Missbrauchsopfern gestoppt. In den letzten Wochen ist die Zahl neuer Klagen wegen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen durch Geistliche von 30 auf 150 angestigen. Würden die ursprünglich vereinbarten Entschädigungsbeträge auch in diesen Fällen ausbezahlt, so würde das zum Ruin der Erzdiözese führen, erklärte Kardinal Bernard Law die Entschiedung der Finanzkommission. Zahlreiche Katholiken protestierten letzten Sonntag vor dem Dom gegen diese Verfügung und forderten den Rücktritt von Kardinal Law. Sie werfen ihm vor, zu lange Missbrauchsfälle zu wenig energisch geahndet zu haben.
- Kritik an Prager Politik
Prag. Der Prager Priester und Soziologe Thomas Halik hat die Resolution des tschechischen Parlaments zu den Benes-Dekreten scharf kritisiert. Damit würde ein auf dem Prinzip der Kollektivschuld aufbauendes Unrecht für immer festgeschrieben.
- Jugendgericht beibehalten
Wien. Der Katholische Familienverband Österreichs (KFÖ) hat in einem Schreiben Justizminister Böhmdorfer aufgefordert, den Ministerratsbeschluss über die Auflösung des Wiener Jugendgerichtshofes nochmals zu überdenken. Der Jugendgerichtshof habe sich als separate, auch räumlich vom Erwachsenenstrafvollzug getrennte Einrichtung bewährt und zeichne sich durch eine sehr geringe Rückfallquote aus. Das sei auch auf die vorbeugende Arbeit am Jugendgerichtshof zurückzuführen. Dazu aber sei eine überrschaubare Größe, die persönlichen Beziehungen entgegenkomme, notwendig. Bei einer Übersiedlung ins Landesgericht sei diese Atmosphäre gefährdet, betont der KFÖ.