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Die andere Strategie: Solidarität gegen Terror

Hilfe aus Österreich für krebskranke Kinder in Tadschikistan
Ausgabe: 2002/19, Solidarität, Terror, Kinder, krebskrank, Krieg, Afghanistan, Hirsch;
10.05.2002
- Walter Achleitner
„Der Krieg gegen den Terror kann die Probleme nie lösen“, meint Otto Hirsch. Deshalb setzt er in Tadschikistan auf „Solidarität gegen Terror“.

„Es ist nur ein Beispiel, dass man im Kleinen viel helfen kann“, erzählt Otto Hirsch. Für die Eltern krebskranker Kinder in Duschanbe allerdings grenzt es fast an ein Wunder. Zum ersten Mal seit der Unabhängigkeit von Moskau vor elf Jahren erhalten die rund 35 Patienten der Krebsstation und ihre Pfleger täglich zwei warme Mahlzeiten. „Und das, was dort niemand mehr für denkbar gehalten hat, kostet im Monat rund 1000 Euro“, erklärt Otto Hirsch. Bereits Ende Dezember hatte der Oberösterreicher auf dem Weg nach Afghanistan die Klinik in der tadschikischen Hauptstadt besucht und die Hilfe eingefädelt. Private Spender finanzieren mittlerweilen das warme Essen für ein Jahr.
Auch um schmerzlindernde Medikamente für die Jugendlichen hat sich Hirsch gemeinsam mit dem Hilfswerk Austria eingesetzt. Eine Finanzierung durch Landeshauptmann Josef Pühringer in der Höhe von 36.336 Euro (500.000 ATS) half, den akuten Engpass zu beheben. Der Leiter der Onkologie, Dr. Dilshod Zikirjakhodzaev, der vor kurzem in Linz war: „Damit ist das Jahresbudget für Schmerzmittel in Tadschikistan verdoppelt worden.“

Bald auch in Afghanistan




Als „eine der größten Betrügereien“ bezeichnet Otto Hirsch den „Krieg gegen den Terror“. Ob im Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern, ob in Afghanistan oder in Tschetschenien – „sobald jemand aggressiv wird heißt es: ,Ich kämpfe gegen den Terror.‘“ Stattdessen setzt der in der Cursillo-Bewegung Engagierte auf „Solidarität gegen Terror“. Bereits Ende Mai, so hofft Otto Hirsch, will er ein Projekt zur Selbsthilfe in Afghanistan starten. „Damit soll es Frauen und ihren Kindern ermöglicht werden, sich auf eigene Füße zu stellen.“
Otto Hirsch, der bereits in mehreren Krisengebieten Hilfsprojekte durchgeführt hat, reagiert damit auf eine negative Entwicklung: „Wir müssen helfen, wo die Not ist. Und wir dürfen nicht warten, bis erst Bundesregierung, EU oder die Vereinten Nationen Budgetmittel zur Verfügung stellen.“ Als Beispiel dafür bezeichnet er die Kinderkrebsklinik in Duschanbe. Zwar sind nach dem 11. September auch in Tadschikistan internationale Helfer aufmarschiert. Denn der nördliche Nachbar von Afghanistan galt neben Pakistan als Ausgangspunkt für humanitäre Hilfe nach dem Ende des Taliban-Regimes. „Doch die Hilfe in Tadschikistan war für sie uninteressant, weil dafür keine Budgetmittel zur Verfügung gestanden sind“, klagt Otto Hirsch. Kontonummern für Spenden – Vermerk „Afghanistan“: Otto Hirsch: 621-0203/20 (BLZ 15.000)Hilfswerk: 90.001.002 (BLZ 60.000)




Brunnen hilft heilen




Hintergrund

Der Weg zum Krankenhaus Koghiani im Osten Afghanistans ist steinig. Es bietet die einzige medizinische Versorgung für 300.000 Menschen. Doch 20 Betten sind einfach zu wenig. Vor Jahren wurde dieses von einem Österreicher erbaut. Seit Wochen sorgt nun die Caritas Österreich für eine basismedizinische Versorgung. Denn es gibt weder eine gynäkologische noch eine chirurgische Abteilung. „Wenn ein Kaiserschnitt notwendig ist, können wir den Frauen nicht helfen“, erklärt Dr. Nassim. Und für die Fahrt in das 80 Kilometer entfernte Jalalabad braucht man mindestens zweieinhalb Stunden.
Dr. Nassim, der in Deutschland studiert hat, und sein kleines Team betreuen 200 ambulante Patienten täglich, die Hälfte davon sind Kinder. „Im Sommer leiden die Kinder an Durchfallerkrankungen“, erklärt der Arzt. „Durch die Unterernährung sind sie sehr geschwächt.“ Laut Nassim ist jedes fünfte Kind hier unterernährt. „Wir können ihnen nur durch spezielle Zusatznahrung helfen. Denn in der kargen Landregion wird es noch länger nicht ausreichend zu essen geben.“
Die mangelnde Ernährung macht auch den Frauen zu schaffen. Jede fünfte hat eine problematische Geburt, zu oft ist Hilfe unmöglich. „Je früher wir das Geld für den Bau der Gynäkologie aufbringen, umso mehr Frauen und Kinder können wir retten.“ Als Erstes aber wird mit Hilfe der Caritas ein neuer Krankenhausbrunnen gegraben. Denn der alte ist im Sommer regelmäßig verseucht. „Wie sollen wir Menschen hier heilen, wenn das Wasser sie krank macht“, fragt Dr. Nassim verzweifelt.
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