Weil derzeit eine „freiwillige“ Ausreise aus Russland für ihn „zu riskant“ wäre, hat der katholische Bischof der südrussischen Diözese Saratow, Kliment Pickel, eine Reise in die Schweiz abgesagt. Der aus Deutschland stammende und seit 1990 in Russland lebende Pickel befürchtet ein Wiedereinreiseverbot. Erst Mitte April war dem in Polen geborenen Bischof von Irkutsk, Jerzy Mazur, trotz gültiger Papiere die Einreise verweigert worden. Das russische Außenministerium hat auch drei Wochen nach dem Vorfall dem Vatikan noch keine Antwort mit den verlangten Informationen erteilt. Seit einigen Monaten sehen sich die 1,3 Millionen Katholiken Russlands zunehmenden Anfeindungen ausgesetzt. Derzeit würden „strengste Kontrollen unserer Gemeinden und Einrichtungen durch die Justiz“ durchgeführt, erklärt Pickel, und vielerorts zirkulierten „antikatholische Unterschriftenlisten“. In Zeitungen gebe es eine „Flut übelster katholikenfeindlicher Reportagen“. Die sehr gespannte Lage sei dennoch „keine Sackgasse“, meint der Bischof von Saratow. Er hoffe vielmehr, dass es sich um einen „Reinigungsprozess“ handle: „Eines Tages werden wir miteinander sprechen und, was noch wichtiger ist, miteinander beten.“ Derzeit sei es in Russland orthodoxen Christen verboten, gemeinsam mit Katholiken zu beten.