Das Zugunglück, das sich vergangene Woche in London ereignet hat, scheint wie ein Nachbericht auf Ken Loachs Film „The Navigators“.
Sheffield, 1994. Die Eisenbahner sitzen im Aufenthaltsraum, warten auf die Verlautbarungen des Managers. Einen Tag nach der Privatisierung der Bahn soll nichts mehr so sein, wie es war. Eine neue Zielvorgabe lautet: „Die Todesfälle dürfen eine erträgliche Zahl nicht überschreiten.“ Darauf ein Arbeiter: „Gibt’s Freiwillige?“ Was anfänglich noch für coole Sprüche unter den Arbeitern sorgt, wird bald bitterer Ernst. Teams werden auseinander gerissen, Geheimniskrämerei wird groß geschrieben, die anderen – meist ehemalige Kollegen – sind fortan als „Konkurrenten“ zu betrachten. Um am freien Markt zu überleben, werden Sicherheitsbestimmungen gelockert, Arbeitszeiten verlängert. Gewagte Einsätze sollen die Erträge steigern. Die Solidarität unter den Arbeitern löst sich auf, Kritik ist nicht erwünscht: Die Angst um den Job dominiert Denken und Handeln. Regisseur Ken Loach zeigt in „The Navigators“ anhand persönlicher Schicksale die seiner Meinung nach fatalen Auswirkungen der Globalisierung, die vom Arbeitsleben bis ins Private reichen: Es wird kälter! Der Film ist eine nüchterne Bestandsaufnahme, die nachdenklich macht. Spannend erzählt!