Musik zur Zeit der Gotik in OÖ: Stadtpfarrhof Steyr
Ausgabe: 2002/20, Gotik, Steyr,
16.05.2002
- Elisabeth Leitner
Volkssprachlicher Gesang im Gottesdienst, Osterspiele, Musikinstrumente und Orgel bei liturgischen Feiern sind aus der Zeit der Gotik überliefert. In Oberösterreich gab es ein bodenständiges, vielfältiges Musikleben.
Tonangebend in Sachen Musik waren in Oberösterreich die Klöster. Sie feierten eine volksnahe Liturgie, die dem religiösen Verständnis der Laien entgegenkam. Das „liturgische Drama“ – eine Sonderform der Messe – war dabei sehr beliebt. Stark verbreitet waren Osterspiele. Diese sind aus St. Florian, Kremsmünster, Mondsee, Sipbachzell und Hargelsberg überliefert. Beim Kremsmünsterer Dorotheenspiel schloss das Volk mit dem Gesang „Nu bite wir den heyligen geyst – et cantat omnis populo“. Bei Prozessionen, Wallfahrten, Bittandachten wurden zunehmend volkssprachliche Lieder und Rufe gesungen.
Der Gebrauch von Musikinstrumenten im Gottesdienst war nach der Salzburger Synode (1310) untersagt, nur die Orgel durfte erklingen. Das lässt darauf schließen, dass es bereits vorher zum regen Einsatz von Musikinstrumenten gekommen war.
Gebräuchliche Instrumente der Spielleute waren: Einhandflöte, Trommel, Fidel, Drehleier, Dudelsack und Schalmei. Um einen würdigen Liturgiegesang zu gewährleisten, kam es zur Errichtung von Klosterschulen. Mehrstimmiges Singen ist bereits im 9. Jahrhundert praktiziert worden, war im Mittelalter aber die Kunst einer geistigen Elite und Ausdruck besonderer Festlichkeit. Die Anfänge des Meistergesangs von zunftmäßig organisierten Handwerkern gehen ins Spätmittelalter zurück. 1540 wurden in Steyr Meistersingschulen abgehalten.
In der Steyrer Stadpfarre ist nun bis 27. Oktober eine Ausstellung über diese in musikalischer Hinsicht noch finstere Epoche zu sehen. Instrumente, seltene Handschriften, Fotos, Hörproben dokumentieren das Musik-leben in der Zeit von 1250 bis 1530.
Bis 27. Oktober, Info: Pfr. Roland Bachleitner, Tel. 07252/520 59.