Herr H. ist sehr bemüht, für seine Stiefkinder ein guter Vater zu sein, und übernimmt viel Verantwortung. Er legt sich sehr ins Zeug, um das in seinen Augen Vernachlässigte nachzuholen und ein „besserer“ Vater zu sein. Als die Töchter (11 und 13 Jahre) das nächste Mal zum Beratungsgespräch kommen, erzählen sie, dass sie sich oft zerrissen fühlen. Der „neue Papa“ macht manchmal so abfällige Bemerkungen über ihren Papa. Und die Mama sagt nichts dagegen. Der Papa tut ihnen richtig Leid. Worauf sollten Eltern und der Stiefelternteil achten? - Die Wiederheirat wird von den Kindern oft als Verlust der alten Familie erlebt. Der Vater ist für die Kinder nicht austauschbar. Sie fürchten, die Beziehung zu ihm, nicht aufrecht halten zu können.- Der leibliche Vater ist und bleibt der richtige Vater. Kein noch so starkes Bemühen des „neuen Papas“ kann diesen in die Position des Vaters bringen. Eher empfinden Kinder dies als Verdrängung ihres Vaters. n Wird über den Vater abfällig gesprochen, verteidigen ihn Kinder – wenn nicht äußerlich, so innerlich – oder schämen sich der Eigenschaften, die sie anscheinend vom Vater haben (Aussehen, Stimme, Fähigkeiten ...). - Für die Entwicklung der Kinder ist ein regelmäßiger Kontakt zum getrennt lebenden leiblichen Elternteil wichtig. Kinder nehmen diese Möglichkeit gerne an und es tut ihnen gut, wenn sie hier Toleranz von Mutter und Stiefvater spüren. - Stieffamilien stehen oft unter Druck, eine ganz normale Familie zu sein. Sie sind es nicht – dies sich einzugestehen, bringt Entspannung.