„Es war einmal“, so beginnen fast alle Märchen und führen in eine Traumwelt von Feen, Prinzessinnen und Kobolden – eine Märchenerzählerin machte Mut und Lust auf Märchen. „Märchen vermitteln Werte“, so die deutsche Erwachsenenbildnerin und Märchenerzählerin, Brigitta Schieder, bei einer Veranstaltung des Kath. Familienverbandes der Diözese Linz. Märchen zeigen Wege vor und innere Haltungen auf und stärken den Lebensmut. Auch wenn sich unsere Welt unglaublich verändert hat, haben sie nichts von ihrer Aktualität eingebüßt. Es verbindet uns nämlich ganz Wesentliches mit den Menschen aus grauer Vorzeit: Auch deren Leben bewegte sich zwischen Geborenwerden und Sterben. Egal, ob in New York, in einem Dorf in Afrika, oder in einem Slumviertel Südamerikas: Liebe, Wärme und Geborgenheit zählen bei den Menschen seit jeher und ihr Leben wird bestimmt von Menschlichem – allzu Menschlichem, von Ängsten, Freuden, Schmerzen, Trennung, Not, Glück, Treue, Reichtum ... Besonders die Volksmärchen seien ein kostbarer Schatz und viele der gängigen Märchen für Kinder geeignet – als untere Altersgrenze nannte die Märchen-Expertin etwa vier Jahre. Ein Tipp: Die Märchen vorher selber lesen! Volksmärchen sind arm an Beschreibungen, und lassen der Phantasie viel Raum. (Im Unterschied zu den Volksmärchen sind die Kunstmärchen von Schriftstellern erdacht). Volksmärchen sind oft 1000 und mehr Jahre alt und wurden im deutschen Sprachraum von den Gebrüdern Grimm vor 200 Jahren aufgeschrieben und bis dahin von Großmüttern – eben wie aus dem Märchenbuch, Handwerkern und Künstlern weitergetragen. „Märchen sind brutal und traumatisch für Kinder!“, diesen Frontalangriff eines Zuhörers widerlegte Brigitta Schieder nachdrücklich. Das Böse und Bedrohliche gibt es in den Märchen, aber es eröffnen sich überschaubare Wege aus Gefahren herauszukommen, etwa durch Schlauheit oder Annahme von Hilfe.Wirken auf die GefühleKinder finden z. B. auch grausame Strafen gerecht. Sie hören aus den Märchen heraus, was sie verstehen und auch zur Verarbeitung eigener Ängste brauchen. Sie erleben Märchen „gefühlsmäßig“ und „schwarz-weiß“. Wenn wir Märchen verstehen wollen, müssen wir wissen: Die Märchensprache ist eine andere – sie lebt durch Bilder – archaische und gleichnishafte. Wenn ein Kind stark auf eine Szene reagiert, hat es eigene Ängste, die man ernst nehmen und ihm nicht ausreden soll. Manches sollte man auch wissen, zum Beispiel die Deutung des negativ besetzten Wortes Stiefmutter. Stief kommt vom althochdeutschen „steif“. So meint Stiefmutter: gefühlsarm, streng, kalt, hart und ungerecht – und dies hat nichts mit leiblichen oder nicht-leiblichen Eltern zu tun.
Mit Märchen selber weiterarbeiten
Zum Thema
- Eine Geschichte bis kurz vor dem Schluss lesen, zur Seite legen und selbst einen Schluss erfinden. Dann zu Ende lesen. - In eine andere Zeit versetzen: Ein Märchen könnte modernisiert werden. - Pantomime: Ein Märchen Freunden als Pantomime vorspielen. Sie müssen dann erraten, was dargestellt wird. - Miteinander ein Märchen nachspielen: Wer spielt was? Spielt der Papa das jüngste Geißlein oder den Räuber? Die Rollenzuteilung durch das Kind ist spannend.
Buchtipps: Brigitta Schieder: Erzähl mir doch ein Märchen (E 19,10) und Märchen machen Mut, Werkbuch, (E 15,80), beide im Verlag Don Bosco.