Wenn Pfarrer Josef Prinz über Maria spricht, geht es ihm nicht um die Unterschiede, die zwischen katholischer und evangelischer Lehre be-stehen. Für ihn gehört Maria zu den geistlichen Schätzen der Kirche.
Sie haben einen Gesprächs-abend über Maria unter das Thema gestellt: Maria war eine gute Protestantin. Wie kamen Sie darauf?
Prinz:Der Satz stammt nicht von mir, sondern sinngemäß von dem Katholiken Peter Rossegger. Im Zusammenhang mit dem Übertritt seiner Kinder zur evangelischen Kirche bezeichnet er Maria als eine evangelische Person. Er hat auch den Bau der evangelischen Kirche in Mürzzuschlag großzügig unterstützt. Allerdings verband er das mit dem Wunsch ein Marienbild in der Kirche anzubringen. So gibt es heute in der evangelischen Kirche von Mürzzuschlag eine Darstellung der heiligen Familie.
Was bedeutet für Sie Maria?
Prinz: Sehr viel. Sie ist das Urbild der glaubenden Menschen. Sie steht für das Wunder, alle Ängste von Gott in Sorge für andere verwandeln zu lassen. So konnte sie auch ihren Sohn freigeben – zur Fürsorge an anderen.
Als Protestant ist Ihnen vermutlich das Magnificat besonders nahe ...
Prinz: Ja, es ist der Schlüsseltext meiner Beziehung zu Maria. Maria, wie der Evangelist Lukas sie beschreibt, ist die Ur-Protestantin. Protestantisch heißt nicht gegen etwas sein, sondern für etwas einstehen. Sie steht ein für Jesus. Das Magnificat ist auch das Lied jeder christlichen Revolution: Gott stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen. Wir wissen aus der Zeit der Bauernaufstände, dass die Bauern vor dem Kampf zu Maria gebetet haben. So problematisch die Entscheidung für die Gewaltanwendung auch war, haben die bis aufs Letzte von den Steuerlasten ausgepressten Menschen doch gespürt, dass Maria zu ihnen gehört. Dass sie mit ihrer Not zu ihr kommen dürfen.
Die Schutzmantelmadonna ist der bildhafte Ausdruck, dass die Menschen mit all ihren Sorgen bei Maria Platz haben ...
Prinz: Mir gefällt dieses Bild. Gläubige Menschen brauchen geistliche Zuflucht und Geborgenheit bei Glaubensvorbildern: Gerade wer sich von irdischen Sicherheiten entfernt, weil er für seinen Glauben Leib und Leben riskiert, braucht himmlischen Schutz von oben. Als evangelischen Theologen fasziniert mich besonders eine typisch katholische Tradition der Schutzmantelmadonna: Unter dem Mantel Mariens haben nicht nur die Braven und Rechtgläubigen Platz. Auch die von der offiziellen Kirche verloren gegebenen Kinder wissen sich bei Maria geborgen, auch die Ketzer, wenn sie nach den Maßstäben des Heiligen Geistes leben.
Verehren Sie Maria?
Prinz: Als jemand, der Jesus verehrt, kann ich gar nicht anders, als auch seine Mutter zu verehren. Jesus kommt zwar vom Himmel, ist aber nicht vom Himmel gefallen. Er hatte eine Mutter, Maria, die Gott groß macht, indem sie sich um Jesus sorgt.
Besitzen Sie ein Marienbild?
Prinz: Keines, das man auf die Wand hängen könnte, aber ich trage Maria im Herzen.